Öffentliche Kunst in Hannover

Dicker Mann frißt Maus

Bei dem Titel ist die Positionierung vor der Tierärztlichen Hochschule natürlich witzig. Man erwartet sowas auch von dicken Männern nicht, erst recht nicht direkt vor der Tierärztlichen Hochschule.

Dennoch ist in dem charakteristischen Eggers-Stil realisiert, was der Titel verheißt.

Der Mann führt gerade seine Hand mit der Maus darin zum Munde und schickt sich an, diese zu fressen. Statt also den Augenblick des Abbeißens oder Verschlingens direkt darzustellen, ist dies der Moment davor, wo alles noch anders ausgehen kann, noch alle Optionen offen sind. Besonders hungrig oder gierig wirkt der Gesichtsausdruck des Mannes nicht. Der Gesichtsausdruck verrät auch ansonsten nichts über die besondere Situation.

Für die Maus ist offenbar das Schicksal nicht direkt absehbar. Die Hand quetscht oder zwingt sie nicht, sie könnte springen, ist aber vermutlich mit dem Mann vertraut und erwidert seinen Blick.

Der dadurch mitschwingende unmittelbar bevorstehende Vertrauensbruch des Mannes wirkt besonders böse, auch weil es sich um so ein niedliches Tierchen handelt. Aber ist es nicht so, daß im großen Stile Nutztiere bis zur Schlachtreife gut gepflegt werden, um dann auch verwurstet und gefressen zu werden?

Was macht die Situation so besonders, so absurd? Daß die Maus eher ein Schädling ist und kein Nutztier - und daß man Säugetiere nicht lebendig zu fressen pflegt? Eggers macht hier geschickt die Abstraktion eines Schnitzels auf dem Teller rückgängig. Das Schnitzel wird man so unbedenklich verdrücken, aber nicht die lebendige Maus. Und was unterscheidet den Salat oder die Bohnensprosse so sehr von Maus oder Schwein?

Fressen und gefressen werden, fressen um zu leben. Schon mit dem ersten Bissen werden wir unwiderbringlich und unvermeidlich verstrickt in dies Spiel des Lebens und Sterbens - und selbst wenn wir uns dem verweigerten, hätten wir noch gute Chancen, als Leichen von anderen Lebewesen weiterverwertet zu werden.

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