Öffentliche Kunst in Hannover

Leineentrümpelung

Die Skulptur besteht aus Material, Schrott, welches in drei Aktionen in den Jahren 1980, 1987 und 1990 ungefähr in diesem Bereich wieder aus der Leine gefischt wurde. Die Skulptur ist zugleich den Künstlern Kurt Schwitters und Karl Jakob Hirsch gewidmet.

Aufgrund der ebenfalls gelisteten Materialien ist es naheliegend, daß zumindest Teile davon über die Jahre vom hier ebenfalls samstags stattfindenden Flohmarkt ihren Weg als Müll in die Leine gefunden haben. Die Ursachen der Müllansammlung in der Leine mögen aber auch vielschichtiger sein.

Und beim Anblick der Skulptur kommt dem Betrachter ja sofort ein Gedanke in den Sinn: Jawohl, setzt den Müll den Leuten wieder vor, damit sie gar nicht erst hoffen, daß Zeug sei weg, wenn es hier wild entsorgt wird. Ein anderer Gedanke ist ebenfalls naheliegend. Es findet eine Umkehrung statt, beschmutzen, beschmieren und zerstören sonst gerne einmal asoziale Vandalen Skulpturen und öffentliche Einrichtungen, so bekommen sie dies hier ein gutes Stück heimgezahlt, indem der Müll fast in Form eines 'ready mades' wieder als Kunst vorgesetzt wird, eine Konfrontation mit dem vergangenen Frevel und ein Kommentar, wie rücksichtslos mit dem öffentlichen Raum umgegangen wird. So wundert es auch nicht, daß ihrerseits die so Gescholtenen das Werk zu Flohmarktzeiten auch gerne mal verwenden, um daran Dinge aufzuhängen und feilzubieten, um die Konfrontation mit den eigenen Möglichkeiten zu verarbeiten, zu verdecken, zu sublimieren. Andere Trotzreaktionen wie Schmierereien und Papieraufkleber bleiben als Reaktion natürlich nicht aus. So entsteht ein Dialog zwischen dem Müll vergangener Jahre und der immer wieder auftretenden Mißachtung von Skulpturen.

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