MeiKe Variabler Automatik-Zwischenring 46mm-68mm (Beschreibung)

Im August 2012 habe ich mir als Ergänzung zu meiner Makroausrüstung einen Automatik-Zwischenring von MeiKe (offenbar chinesische Firma) zugelegt, die Auszugsverlängerung kann damit laut Herstellerangabe zwischen 46mm und 68mm variiert werden. Bei meinem Exemplar ergibt sich allerdings eine Variation zwischen 47mm und 69mm. Bei der Variantion bleiben Automatik und sofern vorhanden Autofokus erhalten. Der Vorteil gegenüber einem ebenfalls vorhandenen Balgengerät liegt vor allem darin, daß der Zwischenring deutlich kompakter ist und sich auch durch seine stabile Bauweise gut für den mobilen Einsatz unterwegs eignet. Entsprechend habe ich mit den Zwischenring vorrangig besorgt, um mit dem Teleobjektiv EF 300mm, 1:4, L IS USM Makroaufnahmen von Insekten wie Libellen mit großem Arbeitsabstand machen zu können, demgemäß ist der Aspekt der Variabilität für mich nebensächlich. Leider bietet Canon selbst wohl für das EF-System keine Zwischenringe mit 50mm oder mehr an, anders als etwa noch für das FD-System. Auch die sonst weit verbreiteten Zwischenringsätze haben in der Regel keinen 50mm-Ring im Satz.

Die Variation wird mit einer einfachen Drehung eines griffigen Gummirings erreicht. Für die jeweilige Auszugsverlängerung sind jeweils einige Zahlen zur Orientierung notiert, die allerdings nicht stimmen, am besten passen noch die Angaben an den beiden Anschlägen, dazwischen gibt es deutlich Abweichungen zwischen der tatsächlichen Auszugsverlängerung und der notierten Zahl.
Eine Arrettierung gibt es nicht, aber einige Angaben zum aktuellen Auszug - Allenfalls am Endanschlag von 69mm kann man den Drehmechanismus leicht verklemmen. Die Anschlüsse für Kamera und Objektiv verdrehen sich dadurch nicht relativ zueinander. Dadurch ist es auch unwahrscheinlich, daß der Auszug versehentlich im normalen Betrieb verstellt wird.

Zur Reduzierung oder vielleicht auch zur Erhöhung von Streulicht ist innen eine rechteckige Blende mit abgerundeten Ecken angebracht, oder vielmehr der komplette innere Bereich ist rechteckig, wie man das auch bei Teleobjektiven oft findet. Das Material innen ist zwar matt-schwarz ausgelegter Kunststoff, müßte aber eigentlich deutlich reflektionsärmer sein als es ist. Auf den Bildern ist ja zu erkennen, wie der Blitz vom Blitzgerät am Kunststoff reflektiert - natürlich ist nicht zu erwarten, daß jemals so viel Licht auf die Wände fällt, wenn der Zwischenring montiert ist, das zum Sensor durchlaufende Licht sollte eigentlich um Größenordnungen mehr sein als das Streulicht vom Kunststoff.
Die beiden Bilder vom Weberknecht zeigen jedoch ein Problem bei Aufnahmen fast im Gegenlicht. Das Licht, welches ohne Zwischenring sonst auf den Rand des Sensors fällt, wird offenbar am matten Kunststoff des Zwischenrings gestreut und erzeugt so auf den Bildern einen diffusen Schleier von Streulicht, obwohl bei der einen Aufnahme sogar eine Gegenlichtblende verwendet wird. Ohne Zwischenring ist kein Schleier zu erkennen, die Ursache liegt also ziemlich sicher bei dem für Streulicht schlecht geeigneten Kunststoffteil.
Auf manchen anderen Bildern ist auch ohne Gegenlicht eine Lichterscheinung in grob der Blendenform erkennbar, das Störpotential der Blendenkonstruktion ist also als hoch einzustufen. Als Beispiel für diesen Lichteffekt ist unten ein Bild einer Nachtkerze zu sehen.
Ich überlege mir, ob ich die Flächen nicht mit einem geeigneten schwarzen Photofließ abklebe oder mit Photolack übersprühe. Aufgrund des geringen Durchmessers habe ich micht erstmal für Photolack entschieden - hat aber nicht den erwünschten Erfolg gebracht.
Der Streulicht-Mangel ist allerdings wohl in der prinzipiellen Konstruktion begründet. Nicht umsonst sind Innendurchmesser von Zwischenringen erfahrener Anbieter deutlich größer als der Durchmesser des Objektivbajonetts, so ergibt sich recht einfach die Möglichkeit für Streulichtfallen im Randbereich des Durchmessers. Hier wurde also von MeiKe an der falschen Stelle Material eingespart. Oder aber es wurde blind gebastelt, ohne das Ergebnis jemals mit Kamera und Objektiv zu prüfen.

Der Zwischenring ist ansonsten solide verarbeitet, Metall, Gummi, Kunststoff. Die elektronischen Anschlüsse sind ähnlich den originalen von Canon gefertigt, mutmaßlich vergoldete Stifte, auf der Objektivanschlußseite federnd gelagert.

Zum Lösen des Objektivs vom Zwischenring gibt es eine Lasche, die gedrückt werden muß, ähnlich der Taste an der Kamera, jedoch deutlich einfacher ausgeführt und mit nur geringem Hub. Daher ist nicht gut erkennbar, wann sich das Objektiv lösen läßt. Das liegt auch zum guten Teil daran, daß der Anschluß auf der Objektivseite extrem schwergängig ist - bleibt zu hoffen, daß das mit der Zeit etwas weniger straff sitzt. Der Anschluß auf der Kameraseite ist hingegen leichtgängig. Es wird angegeben, daß bei der Montage zunächst der Zwischenring an der Kamera zu montieren ist, dann das Objektiv am Zwischenring, um die Möglichkeit von elektronischen Fehlfunktionen auszuschließen. Diese Reihenfolge ist auch sinnvoll, weil der Objektivanschluß so schwergängig ist. Entsprechend ist dann bei der Demontage umgekehrt vorzugehen.

Der Zwischenring wird mit Front- und Rückdeckel geliefert, sehr wichtig, um Verschmutzungen zu vermeiden. Geliefert wird in einfachem Pappkarton mit Bedienungsanleitung in etwas holprigem, aber verständlichem englisch. Der Pappkarton ist ebenfalls hauptsächlich englisch beschriftet. Zusätzlich gibt es die Bezeichnung des Zwischenringes darauf in kleinerer Schrift in mehrere Sprachen, auch deutsch. Die Bezeichnung ist allerdings durchgehend falsch, auch in der Bedienungsanleitung. Es wird immer von einem Zwischenring-Satz ('Extension Tube Set DG') gesprochen, nicht von einem variablen Zwischenring. Die technischen Daten in der Anleitung stimmen dann wieder. Die Anleitung ist etwas wirr angelegt, relevant ist vor allem der Hinweis auf die bereits erwähnte Montagereihenfolge. Relevant ist auch der Hinweis, daß eine Belichtungskorrektur erforderlich ist, falls manuell gearbeitet wird, also und insbesondere auch, wenn die Belichtung mit Blitz nicht mit TTL erfolgt. Eine Formel für die Belichtungskorrektur wird allerdings nicht angegeben, sollte aber bekannt sein, wenn man sich etwas länger mit Blitzlicht in der Makrophotographie beschäftigt.

Daten für die Verwendung mit dem EF 300mm, 1:4, L IS USM
Auszugsverlängerung Skala Objektiv Brennweite Aufnahmeabstand Arbeitsabstand Vergrößerung
Auszugsverlängerung Skala Objektiv Brennweite Aufnahmeabstand Arbeitsabstand Vergrößerung
0 1.5m (Makro) 220mm 1.5m 1.24m 0.24
47mm unendlich 300mm 2.65m 2.35m 0.16
47mm 1.5m (Makro) 220mm 1.10m 0.8m 0.47
69mm 1.5m (Makro) 220mm 1.06m 0.73m 0.57
Daten für die Verwendung mit dem Makroobjektiv EF 100mm, 1:2.8, L IS USM
Auszugsverlängerung Skala Objektiv Brennweite Aufnahmeabstand Arbeitsabstand Vergrößerung
Auszugsverlängerung Skala Objektiv Brennweite Aufnahmeabstand Arbeitsabstand Vergrößerung
0 0.3m 69mm 0.3m 0.13m 1.0
47mm unendlich 100mm 0.455m 0.25m 0.47
47mm 0.3m 69mm 0.315m 0.108m 1.7
69mm unendlich 100mm 0.405m 0.175m 0.69
69mm 0.3m 69mm 0.33m 0.10m 2.0

Fazit: Trotz solidem Eindruck weist der Zwischenring bedingt durch den kleinen Innendurchmesser Mängel hinsichtlich der Unterdrückung von Streulicht auf. Ironisch könnte man auch vermuten, daß das Innenleben darauf optimiert wurde, besonders viel Streulicht auf den Sensor zu lenken. Es gibt ja heute auch eine Kultbewegung hin zu Photowerkzeug, welches skurile Effekte liefert - da kann dieser Zwischenring von MeiKe schon mal ein Einstieg sein. Der Anschluß zum Objektiv hin ist zu schwergängig. Unter besonderen Umständen und geeigneter Motivwahl und mit Glück kann der Zwischenring auch mal brauchbare 'normale' Ergebnisse liefern, ansonsten ist er aufgrund des Streulichtproblems als unbrauchbar einzustufen. Der variable Automatik-Zwischenring 46mm-68mm von MeiKe eignet sich eher als Anschauungsmaterial, wie man Zwischenringe nicht bauen sollte ...

Eine praktisch funktionierende Alternative mit fester Länge ist etwa der Quenox Automatikzwischenring 31mm.

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