Öffentliche Kunst in Hannover

Speerwerfer

Die Darstellung von zwei Speerwerfern wirkt deutlich abstrahiert. Beine und Körper sind fast zu Dreiecken reduziert, von denen nur Arme und Kopf deutlich abgehoben sind. Die Arme sind alle nach oben gehoben, eine Hand auf dem Kopf, die andere den Speer haltend etwa auf Kopfhöhe.
Jeder trägt einen Speer, einer ungefähr horizontal ausgerichtet, einer ungefähr senkrecht. Je nach Betrachtungswinkel ergibt sich bei den Speeren dadurch ein kreuzähnlicher Eindruck. Die beiden stehen weit vorne auf einer größeren Grundplatte und deutlich erhöht auf einem Sockel.

Die beiden wirken im Umgang mit Speeren allerdings etwas unbeholfen, da möchte man nicht unbedingt in der Nähe stehen, wenn die ihren Sport ausüben. Es wirkt, als würden sie Ausschau halten, etwas unentschlossen vielleicht, beobachtend, vielleicht mehr auf der Jagd oder im Krieg oder gar auf Kreuzfahrt als beim Sport.

Und da gibt es natürlich auch die Assoziation zum Fußballpublikum, von dem sich auch eine Minderheit gelegentlich auf einem Schlachtzug zu befinden scheint oder im Stadion schonmal Schlachtgesänge anstimmt. Dagegen wirken die beiden hier allerdings relativ harmlos.

Was das Kreuz anbelangt, so denkt man natürlich auch gleich daran, daß zu römischer Zeit Stadien und Kreuzigungen auch der Volksbelustigung durch blutigen Ernst dienten. Und auch die Sportart Speerwerfen stammt ja von der Jagd und vom Krieg her, wer da weit und genau werfen konnte, konnte besser töten. Nicht umsonst heißt es ja auch Wettkampf und viele verwechseln noch heute die spielerischen Aspekte, die gesundheitsförderliche Wirkung des Sportes mit ernsthaftem Kampf, letztlich auch etwas unbeholfen im Beurteilungsvermögen ihres eigenen Handelns.

Lehmann gelingt es so ganz gut durch die Doppeldeutigkeit den schmalen Grad zwischen Spiel und Sport einerseits und Jagd und Kampf andererseits auszuloten. Auf dem schmalen Grad zwischen den beiden Aspekten menschlichen Verhaltens fällt es den berauschten Handelnden dann oft schwer zu unterscheiden und sie neigen zur Übertreibung oder gar zu einer Art religiösem Fanatismus, der gerade auch die Anhänger, das Publikum erfassen kann.

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