Canon EOS 5D Mark II (Beschreibung und Erfahrungsbericht zur Kamera)

Mitte August 2010 habe ich mir die digitale Spiegelreflexkamera von Canon EOS 5D Mark II zugelegt, zusammen mit dem Makroobjektiv EF 100mm, 1:2.8, L IS USM und dem Zoomobjektiv EF 24-70mm, 1:2.8, L USM. Gut, kostet reichlich, macht aber auch Spaß und verdient eine nähere Betrachtung. Als Speicherkarte habe ich mir eine von Transcend besorgt, Ultra DMA Extreme Plus 600x mit einer Speichergeschwindigkeit bis zu 90 MB/s und einer Größe von 8GB (oder etwa 7.5 GiB, was eigentlich für die praktische Verwendung eher relevant ist; im April 2011 habe ich mir noch eine weitere mit 16GB beziehungsweise etwa 15GiB gleicher Bauart angeschafft).
Ende August habe ich ein Teleobjektiv EF 300mm, 1:4, L IS USM zusätzlich angeschafft.
Und im Oktober 2010 folgte ein Lupenobjektiv MP-E 65mm 1:2.8, im Mai 2011 ein Tokina SD 16-28 F2.8 (IF) FX AT-X Pro, im Dezember 2011 ein EF 8-15mm f/4L Fisheye USM, im Oktober 2012 ein EF 50mm, 1:1.4 USM

Allgemeine Vor- und Nachteile gegenüber Digitalkameras ohne Spiegel

Offensichtliche Vorteile gegenüber Kompaktkameras liegen in der Verwendbarkeit von Wechselobjektiven, die für die jeweilige Anwendung optimiert sind. Systemkameras bieten allerdings auch die Möglichkeit von Wechselobjektiven. Das volle Kleinbildformat bietet die damit bereits von den analogen Kleinbildformatkameras her bekannte Schärfentiefe.
Bedingt durch den großen Sensor und die großen Objektive ist auch die Lichtausbeute größer und damit gibt es bei gleicher Anzahl von Pixeln ein deutlich geringeres Rauschen. Die größeren Pixel des Kleinbildformates ergeben zudem die Möglichkeit, besser mit der Beugung bei kleinen Blendenöffnungen umgehen zu können, was einer kleineren Blendenzahl für die förderliche Blende entspricht, es kann also weiter abgeblendet werden als bei einer Kamera mit kleinen Pixeln.
Ein weiterer Vorteil liegt zunächst vielleicht auch überraschend im Einsatz des Spiegels. Auf den Sensor fällt nur während des kurzen Momentes der Aufnahme eine nennenswerte Menge Licht und dieser muß nur direkt nach der Aufnahme einmal ausgelesen werden. Das reduziert die Leistungsaufnahme sehr und damit auch die Wärmebelastung, die ebenfalls eine wichtige Rolle für das Rauschen des Sensors spielt. Auch bei Verwendung der manuellen Einstellung, auch zusammen mit Blitzgeräten mit eigenem Sensor und Belichtungsautomatik bleibt der Sucher weiter brauchbar, während bei einer Direktbetrachtung des Sensorbildes nichts mehr zu sehen ist, wenn die Kamera auf den eingestellten Blendenwert abgeblendet wird. Eine Spiegelreflexkamera kann hingegen die Blende so lange offenhalten, bis die Aufnahme ausgelöst wird. Der Einsatz des Spiegels ermöglicht zudem eine effektivere und schnellere automatische Fokussierungstechnik.

Neben den Vorteilen gibt es natürlich auch einige Nachteile - größeres Gewicht und Volumen, das Sucherbild ist relativ unflexibel, solange es nicht mit speziellem Zubehör anderer Hersteller selbst aufgezeichnet wird und auf eine externe Anzeige übertragen wird - oder auch ein Winkelsucher verwendet wird. Sofern extreme Schärfentiefe erwünscht ist, so ist dies mit dem großen Sensor kaum zu erreichen. Die dauernde Betrachtung des Sensorbildes bei Kompakt- und Systemkameras bringt den Vorteil mit sich, daß direkt das Ergebnis einer Aufnahme sichtbar ist, die Einschränkungen des Sensors und sein Dynamikumfang, das Rauschen sind also direkt zu beurteilen. Das Sucherbild einer Spiegelreflexkamera bietet hingegen ein Bild mit deutlich höherer Auflösung, unbeeinflußt von den Möglichkeiten des Sensors und vor allem des Monitors, was zwar auch die Arbeit erleichtert, die technischen Grenzen des Sensors aber nicht in die Entscheidungen automatisch mit einfließen läßt. Da allerdings die qualitativen Defizite der Darstellung des Sensorbildes auf dem Monitor gravierender sein dürften als die Möglichkeiten des Sensors, reduzieren sich die scheinbaren Vorteile der Betrachtung des Sensorbildes auf dem Monitor wieder drastisch gegenüber der Betrachtung des Sucherbildes über den Spiegel.
Wie bei den anderen Kameras auch, läßt sich das Ergebnis aber auf einem bei der EOS 5D Mark II recht üppig ausgelegten Monitor direkt nach der Aufnahme beurteilen, was dann allerdings erfordert, den Blick vom Sucher auf die Anzeige wechseln zu lassen. Verdeckt das Auge nicht den Sucher, kann darüber Licht einfallen und die Berechnung einer korrekten Belichtung beeinflussen. Bei Aufnahmen mit Selbstauslöser in heller Umgebung ist also besser der Sucher zu verschließen, wie bei analogen Spiegelreflexkameras auch.

Erster Kontakt

Die Geräte sind alle gut verpackt und machen allesamt einen soliden und gut verarbeiteten Eindruck. Es gibt Handbücher in mehreren Sprachen, darunter auch deutsch, aber kein englisch bei meinem Paket für die Kamera, bei den Objektiven mehrsprachig in einem Handbuch einschließlich deutsch und englisch. Ferner gibt es noch allerlei Kabel und einige CDs.

Der ebenfalls mitgelieferte Akku ist zumindest geringfügig geladen und wo der wie hingehört und auch die Speicherkarte (und wie herum) bekommt man mit etwas technischem Grundverstand auch ohne Anleitung hin - die Beschriftung der Kamera und der Dialog beim Einschalten ist englisch, da ist es nicht so ganz konsequent, daß kein englisches Handbuch dabeiliegt. Gut - Einschalten bekommt man auch mit Grundkenntnissen in englisch oder der Kurzanleitung hin, dann soll das Datum eingegeben werden - logisch wäre es gewesen, erst die Sprache auswählen zu können, das ist von Canon unüberlegt bei einem Produkt, welches international verkauft wird. Bei der Datumseingabe beginnen die ersten Experimente. Ein internationales Datumsformat ist nicht verfügbar, dafür unter anderem offenbar ein privates von Canon, mit dem im Gegensatz zum internationalen Datumsformat kaum jemand etwas wird anfangen können. Auch das ist unüberlegt von Canon. Jedenfalls eignet sich die Eingabe des Datums und der Uhrzeit bereits gut, um mit einigen Bedienelementen Bekanntschaft zu machen - da ist die Kurzanleitung bereits hilfreich. Wenn diese ersten Hürden überwunden sind, sollte es allerdings bereits auf Anhieb gelingen, erste Aufnahmen ohne weitere Anleitung zu machen.

Somit hätte der erste Kontakt also einerseits von Canon deutlich besser durchdacht sein können, was allerdings mit Grundkenntnissen in englisch kein größeres Problem darstellt. Allerdings ist die Kamera dann andererseits so einfach für die ersten Aufnahmen zu bedienen, daß sie trotzdem einen guten Eindruck hinterläßt.

Handbuch

Da ich von den Sprachen, für die Handbücher verfügbar sind, nur deutsch verstehen kann, habe ich auch nur dieses Handbuch verwendet. Es ist in gut verständlichem Deutsch verfaßt und erklärt recht gut, wie die Kamera benutzt und eingestellt werden kann. Daneben gibt es auch noch ein kleines Faltblatt mit einer brauchbaren Kurzanleitung, auf die ich nicht näher eingehe.

Die Objektive haben eigene Handbücher. Weil es an den Objektiven nicht viel einzustellen gibt, sind die Handbücher recht kurz. Sie sind ebenfalls gut verständlich. Nach einmaligem Lesen sollte der Inhalt so weit verstanden sein, daß diese danach zuhause bleiben können.

Bedingt durch den üppigen Funktionsumfang der Kamera ist auch das Handbuch recht umfangreich. Zumindest zu Beginn der Nutzung kann es sehr hilfreich sein, dies mitzunehmen, um im Zweifelsfalle etwas nachschlagen zu können. Sehr schön dabei ist, daß das Handbuch mit grob der Größe A6 so kompakt gehalten ist, daß dafür in der Kameratasche neben der Kamera immer noch ein Platz frei sein sollte.

Nur wenige Probleme liegen in Details. Zumindest anfangs ist nicht unbedingt klar, wann man an der Kamera den Menüknopf drücken muß, wenn im Handbuch etwas erklärt wird. Statt eines kompletten Satzes ist da in der jeweiligen Überschrift nur ein Kasten mit 'Menü' drin zu erkennen, an sich leicht assoziierbar, aber auch leicht zu übersehen, zumindest wenn man anderweitig bereits durch ein Überangebot von Piktogrammen einen selektiven Blick bekommen hat, der solche Piktogramme zugunsten von Klartext ausblendet ;o)
Teilweise sind auch einige anfangs beschriebene Knöpfe funktionslos, bis man diese durch Änderung von Voreinstellungen im Menü aktiviert hat, was allerdings erst später beschrieben ist. Es ist nicht immer einfach, in solch einem Handbuch die Reihenfolge perfekt zu gestalten, wenn gegenseitige Abhängigkeiten bestehen. Bis auf diese wenigen Ausnahmefälle ist das bei dem Handbuch allerdings überwiegend gut gelungen. Auch die Anzahl von Querverweisen zu späteren Kapiteln ist überschaubar und angemessen für die Komplexität der Kamera.

Sucher

Der Sucher bietet neben dem eigentlichen Blick durch das Objektiv auf das Motiv auch die relevanten Funktionen wie Belichtungszeit, Blende, Empfindlichkeit in gut lesbarer Form. Zusätzlich dazu noch einige weitere interessante Informationen wie Batteriezustand, Belichtungskorrekturwerte, Anzahl maximal möglicher Reihenaufnahme und aktueller Stand der Fokussierung. Andere Informationen tauchen nur auf, wenn sie sinnvoll sind, etwa über den Blitz oder die Speicherung von Belichtungsdaten. Der Sucher präsentiert sich somit als so übersichtlich wie möglich bei gleichzeitiger Präsenz der gerade relevanten Daten - so will man das haben.

Das Sucherbild selbst umfaßt 98% des aufgenommenen Bildes. Es wird also etwas mehr am Rand aufgenommen werden als im Sucher sichtbar ist. Das ist oftmals durchaus hilfreich als kleine Reserve zur Nachbearbeitung. Der Sucher zeigt eine Vergrößerung von 0.71, es ist also entsprechend kleiner als der Sensor. Zu bedenken dabei ist, daß das Motiv bei einem sehr großen Sucherbild schlecht insgesamt zu beurteilen wäre, bei einem sehr kleinen Sucherbild wären kaum Details zu sehen. Insofern ist die Vergrößerung ein Kompromiß, der je nach Motiv etwas mehr oder weniger gut ausfällt, im Schnitt aber recht ausgewogen ist. Schwach auszumachen im Sucherbild ist ein offenbar teiltransparenter Bereich, das so ausgekoppelte Licht wird vermutlich für die Belichtungsmessung und den Autofokus verwendet.

Auf Autofokusobjektive optimiert, ergeben sich als Einstellhilfen nur die Autofokusfelder und ein zentraler Kreis. Die Autofokusfelder blinken gegebenenfalls auf, um anzuzeigen, wo die Kamera das Bild aktuell für scharf hält, wenn der Auslöser halb durchgedrückt ist - dies passiert auch bei manueller Einstellung der Entfernung an einem Objektiv mit Autofokusfunktionalität, aber auch bei einem manuellen Objektiv wie dem Lupenobjektiv MP-E 65mm 1:2.8, nicht jedoch, wenn keine elektronischen Kontakte zu einem Objektiv vorliegen oder auch, wenn das das Licht nicht mehr ausreicht.

Schnittbildindikator oder Mikroprismenring für manuelle Fokussierung sucht man hier vergeblich. Allerdings ist die Strukturierung der Lasermattscheibe selbst bereits recht hilfreich zur Fokussierung, unabhängig davon, auf welchen Bildausschnitt fokussiert werden soll. Als Alternative wäre allenfalls eine Vergrößerung im Modus Liveview möglich. Die Beurteilung der Schärfe dabei ist allerdings auch nicht unbedingt besser oder einfacher als direkt im Sucher, der auch ohne Einstellhilfen einen recht guten Eindruck davon vermittelt, wie der aktuelle Stand der Dinge ist.

Für Mitmenschen mit Sehschwächen ist ein Einstellrädchen verfügbar, mit dem das Sucherbild scharfgestellt werden kann. Größe, Position und Bedienbarkeit des Rädchens sind zwangsläufig ein Kompromiß mit der Vermeidung eines versehentlichen Verstellens.

Deutlich suboptimal ist das Problem des Verschließens des Suchers behandelt. Während man bei der deutlich älteren analogen A1 noch einen Hebel findet, mit dem ein eingebauter Verschluß einfach betätigt wird, wird man bei der EOS-Kamera mit einem Gummiproppen abgespeist, der am Umhängegurt befestigt ist. Zur Nutzung ist zunächst die Augenmuschel abzumontieren und dann durch den Gummiproppen zu ersetzen. Das ist nicht nur unpraktisch und umständlich, sondern bei Nahaufnahmen auch eine mögliche Fehlerquelle. Hier haben die Canon-Entwickler offenbar über die Generationen verlernt, wie man sowas solide umsetzt. Hier ist also zu überlegen, wie man eine eigene Konstruktion an der Augenmuschel montiert oder woher man eine Augenmuschel mit eingebautem Verschluß bekommt - von Canon offenbar nicht. Optimal ist der mechanische Verschluß der A1 auch nicht, weil dort besonders bei extremen Nahaufnahmen die Kamera minimal aber aufnahmerelevant durch das Betätigen verschoben werden könnte. Besser wäre also ein Verschluß, der per leichtem Tastendruck zu betätigen ist und intern abläuft.
Zur Improvisation eignet sich allerdings bereits der Gehäusedeckel der Kamera oder ein Objektivdeckel geeigneten Durchmessers. Auch der hintere Objektivdeckel von den alten FD-Objektiven erweist als vom Durchmesser gerade so dimensionert, daß dieser mit leichter Klemmwirkung auf die Augenmuschel aufsetzbar ist. Gegebenenfalls kann der Deckel auch noch mit absorbierendem schwarzen Material ausgekleidet werden, um die Improvisation zu optimieren.

Daß bei nicht durch Auge oder Verschluß verdecktem Sucher einfallendes Licht stören kann, ist hingegen nicht als Mangel anzusehen, der Rückschritt in der Verschlußtechnik gegenüber der A1 hingegen schon.

Objektive

Die Objektive sind in Ordnung, Bedienung ist einfach. Eine quantitative Beurteilung der Abbildungsleistungen ist anderweitig zu finden (etwa bei traumflieger.de).

Hinsichtlich der Bedienung ist besonders der für die manuelle Fokussierung notwendige Drehwinkel hervorzuheben - der hat bei den von mir verwendeten Objektiven gerade die richtige Größe, um zügig und doch präzise zu fokussieren. Während etwa bei meiner Panasonic/Lumix-Kamera ein Schneckengang manuelle Fokussierung zur Qual macht, ist diese bei diesen EF-Objektiven sogar effektiver umzusetzen als bei meinen alten FD-Objektiven. Manuelle Fokussierung ist auch problemlos möglich, wenn der Autofokus aktiviert ist - etwa um zügig zu korrigieren. Gerade bei Makroaufnahmen kann es recht nützlich sein, manuell zu fokussieren oder durch Abstandsänderung zu fokussieren. Der Knopf zum An- und Abschalten des Autofokus ist gut bedienbar und auch so weit im Blickfeld bei Betrachtung der Kamera, daß einem die aktuelle Stellung eigentlich nicht entgehen sollte, wenn zu einer anderen Aufnahmesituation gewechselt wird. So oder so gibt es natürlich auch eine Anzeige der Entfernung in Metern und Füßen, beim Zoomobjektiv sogar noch mit zusätzlichen Markierungen für Infrarotaufnahmen, die einem mit dem Sensor der EOS 5D Mark II allerdings schwerfallen dürften.
Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, daß es bei der manuellen Fokussierung keinen Anschlag gibt, nur der Widerstand erhöht sich leicht. Grobmotorischen Mitmenschen kann so das Ende des Fokussierbereichs leicht entgehen, was für die Objektive unproblematisch ist, aber Zeit kosten kann.

Da der Autofokus bei meinen Objektiven sowohl in der Praxis als auch mit einem Schnelltest mit einer Vorlage von traumflieger.de paßt, ist eine manuelle Korrektur allerdings nur sehr selten notwendig - auch mangels weiterer Einstellhilfen ist die eigene Beurteilung und Fokussierung in den allermeisten Fällen sicher deutlich langsamer als der Autofokus, der vor allem bei der Methode über den Sucher nicht nur sehr zielsicher sondern auch überzeugend schnell ist.

Ebenso unproblematisch wie die Entfernung ist beim Zoomobjektiv EF 24-70mm, 1:2.8, L USM das Verstellen der Brennweite über einen Ring möglich. Das Objektiv eignet sich offenbar gut, wenn man nur mit knapper Ausrüstung unterwegs ist oder aus Zeitgründen auf einen Objektivwechsel verzeichten will. Als Weitwinkel- und Normalobjektiv meistert es auch Situationen, wo es einmal etwas enger wird. Bei Aufnahmen von Archtektur etwa zeigt sich allerdings im Weitwinkelbereich eine leicht tonnenförmige Verzeichnung.

Das Makroobjektiv EF 100mm, 1:2.8, L IS USM hat weitere Knöpfe - für eilige Autofokussierer kann der Bereich mit einem Knopf zwischen komplett, fern und nah eingestellt werden. Ein eingeschränkter Bereich kann den ohnehin recht zügigen Autofokus nochmal beschleunigen, wenn nicht zu erwarten ist, daß sich der Motivabstand so drastisch ändert. Der dritte Knopf betrifft den Bildstabilisierer, der eben auch abschaltbar ist. Um die Stellung aller drei Knöpfe im Blick zu haben, ist das Objektiv im eingebauten Zustand von der Seite zu betrachten. Von oben betrachtet ist der Knopf für den Bildstabilisierer am schlechtesten (gar nicht) zu erkennen. Es wäre sinnvoller gewesen, die Knöpfe mehr nach oben zu verschieben, wo lediglich ein Canon-Logo und die Aufschrift 'MACRO 100mm' zu finden ist. Identifizieren kann man dies auch ein Stück weiter vorne am Objektiv, dies ist also redundant. Die Knöpfe im Blick zu haben, wäre nützlicher gewesen ;o)
Als minimaler Arbeitsabstand ergibt sich übrigens 13cm für den Aufnahmeabstand von etwa 29cm, was eine Abbildung in Originalgröße auf dem Sensor ergibt. Das Objektiv funktioniert mit Innenfokusssierung, was dann auch zur Folge hat, was bei diesem kleinsten Arbeitsabstand nur noch eine Brennweite von etwa 69mm vorliegt, von daher handelt es sich also eigentlich nicht um eine Festbrennweite. Nahezu nahtlos schließt sich da das Lupenobjektiv MP-E 65mm 1:2.8 an, welches mit einer Brennweite von 65mm bei der Abbildung in Originalgröße beginnt.

Um die Beugungsunschärfe des Makroobjektivs EF 100mm, 1:2.8, L IS USM genauer einschätzen zu können, habe ich das Problem näher untersucht und zwar mit Millimeterpapier für Polarkoordinaten. Das Papier weist einmal durch die roten Linien und die bei stärkeren Vergrößerungen gut sichtbaren Faserstrukturen genug Details auf, um die Beugungsunschärfe einschätzen zu können. Polarkoordinaten sind auch interessant, weil damit in mehreren Richtungen nach dem schärfsten Bereich geguckt werden kann, wenn Kamera und Papier nicht exakt parallel ausgerichtet sind.
Bei einfacher Vergrößerung ergibt sich hinsichtlich der (Beugungs-)Unschärfe einer ebenen Fläche, daß die Blenden 2.8 bis 8 optimal sind; gut brauchbar sind auch noch 8 -11; signifikant unschärfer wird es ab 16, eindeutig bedingt durch Beugungsunschärfe.
Über den optimalen Bereich weiter abzublenden, kann sinnvoll sein, um etwas mehr Schärfentiefe zu bekommen, das kann bis etwa 22 sinnvoll sein, noch weiter abzublenden, kann allenfalls hilfreich sein, wenn beim Gesamtbild nicht mehr auf Details geguckt werden soll - also für Papierabzüge vom Vollformat ohne Ausschnittsvergrößerung.

Das Teleobjektiv EF 300mm, 1:4, L IS USM hat ähnliche Funktionsknöpfe wie das Makroobjektiv, ist nur etwas größer und knapp doppelt so schwer, etwas schwerer als das Zoomobjektiv, bedingt durch die große Brennweite aber länger. Der Stabilisierer hat einen extra Umschalter für einen Modus, der horizontal und vertikal stabilisiert und einen, der nur vertikal stabilisiert für den Fall, daß man mit horizontal bewegten Motiven mitziehen will. Die Gegenlichtblende ist gleich eingebaut und einfach nach vorne zu schieben, nimmt also beim Transport keinen zusätzlichen Platz weg. Auch bei diesem Objektiv sind die Schalter seitlich angeordnet, diese können also auch nicht von oben kontrolliert werden, wo sich wieder die redundante Plakette mit dem Objektivnamen befindet. Recht praktisch ist die zusätzlich vorhandene Stativschelle, deren Position gut ausgewählt ist. Bei angesetzter Kamera liegt der Schwerpunkt ziemlich genau über der Schelle. Diese läßt sich bei Freihandaufnahmen auch als Griff zum Halten nutzen, ist als solcher allerdings nicht allzu bequem.

Das Teleobjektiv EF 300mm, 1:4, L IS USM verfügt ebenfalls über eine Innenfokussierung. Beim kleinsten Aufnahmeabstand von etwa 1.5m ergibt sich ein Arbeitsabstand von etwa 1.24m mit einer Vergrößerung von 0.24. Bedingt durch die Innenfokussierung ändert sich auch hier mit dem Aufnahmeabstand die Brennweite. Beim kleinsten Abstand ergibt sich eine Brennweite von etwa 220mm.

Mit zum Lieferumfang von derartigen Objektiven der Kategorie L gehören immer eine Gegenlichtblende und ein Beutel für das Objektiv. Auch das macht beides einen guten Eindruck und es ist sehr lobenswert, daß insbesondere die Gegenlichtblenden gleich zum Lieferumgang gehören. Im Handbuch wird empfohlen, die Objektive zumindest vor starken Temperaturwechseln (besonders natürlich von kalt nach warm und bei hoher Luftfeutigkeit) in dichte Beutel zu packen und die Anpassung an die Umgebungstemperatur abzuwarten. Ob die nur mit Kordeln zuziehbaren Beutel dies leisten, scheint mir allerdings ungewiß. Vorsichtshalber sollte man bei solchen Standortwechseln wohl besser noch eine geeignete Tüte, etwa die von der Originalverpackung dabeihaben und zudrehen, um den gewünschten Effekt der Vermeidung von Kondenswasser zu erreichen. Der Beutel des Teleobjektivs EF 300mm, 1:4, L IS USM hat zwei Reißverschlüsse, einen Klettverschluß, einen Trageriemen und eine Lasche zum Zwecke der Befestigung am Gürtel oder einer Objektivtasche. Insofern ist der Beutel recht alltagstauglich und gut praktisch verwendbar.

Das EF 50mm, 1:1.4 USM verbindet hohe Lichtstärke mit guter Schärfe. Die Abbildungsleistung ist besser als die der beiden anderen Normalobjektive von Canon gleicher Brennweite. Das etwas lichtschwächere ist dafür etwas günstiger, das lichtstärkere geht hinsichtlich der Bildschärfe deutlich mehr Kompromisse ein als dieses. Die halbe Blende mehr rechtfertigt da meiner Meinung nach nicht den Anschaffungspreis.

Das EF 50mm, 1:1.4 USM hat keine Innenfokussierung, ändert seine Größe aber nur um etwa einen Zentimeter. Trotzdem ändert sich die Brennweite geringfügig von etwa 51.5cm in der Unendlicheinstellung auf etwa 55m bei der Naheinstellung von 0.45m. Aufgrund der hohen Lichtstärke eignet sich das Objektiv natürlich besonders für Bilder mit offener Blende, also fürs Dämmerlicht, aber auch für den gezielten Einsatz geringer Schärfentiefe zur Hervorhebung bestimmter Motivdetails. Weitgehend ungeeignet ist das Objektiv für Makroaufnahmen, denn wegen der Optimierung auf hohe Lichtstärke ist die Bildfeldwölbung nicht komplett auskorriert. Aufgrund der kompakten Abmessungen und des geringen Gewichtes ist das Objektiv natürlich auch eine gute Wahl, wenn nur wenig Ausrüstung mitgenommen werden kann.

Im Vergleich zu einigen anderen Herstellern setzt Canon beim EF-System komplett auf eine rein elektrische Verbindung zwischen Kamera und Objektiv. Das Objektiv bekommt von der Kamera also nur Energie und Anweisungen, was zu tun ist und erledigt dann seine Arbeit wie Fokussierung und Abblenden selbst.
Das war damals ein glatter Schnitt zu dem damit komplett inkompatiblen FD-System, welches zuvor von Canon verwendet wurde. Da ich bereits diverses Zubehör für das FD-System für die Canon A1 hatte, hat mich das zumindest rund zwanzig Jahre davon abgehalten, weitere Produkte von Canon zu kaufen.
Das hat sich nun geändert mit der Verfügbarkeit einer bezahlbaren Digitalkamera mit Sensor im Kleinbildformat. Erst damit rechtfertigt sich für mich ein Umstieg auf das EF-System. Durch den inkompatiblen Schnitt konnte hier Canon auch gleich einen etwas größeren Durchmesser umsetzen, der einer digitalen Vollformatkamera bei geeigneten Objektiven sicher sehr zugute kommt.

Als Konsequenz der rein elektrischen Verbindung ist es notwendig, die Motoren für den Autofokus immer komplett im Objektiv unterzubringen. Das hat zwar den Nachteil etwas höheren Aufwandes und höherer Kosten, hat aber doch letztlich überzeugende Vorteile - eine ansonsten notwendige, empfindliche und anfällige mechanische Kopplung an einen Motor in der Kamera entfällt und der Motor kann auf die Dimension eines jeden Objektives optimiert werden.

Eine andere vorhandene, aber an sich nicht zwangsläufige Konsequenz ist, daß sich die Blende nur elektrisch über die Kamera einstellen läßt. Die Objektive sind also ansonsten kaum anders als mit elektrischer Verbindung zur Kamera brauchbar, wenn kein Hilfsgerät wie ein Adapter verfügbar ist, um die Blende einzustellen. Hält man den Abblendknopf der Kamera bei der Demontage eines Objektivs gedrückt, bleibt die Blende in der geschlossenen Stellung - so sind die Objektive zumindest halbwegs auch ohne elektrischen Kontakt zur Kamera brauchbar. Dies macht etwa den Einsatz von Balgengeräten oder sonstigem Zubehör schwierig, wenn deren Anbieter nicht eine entsprechende elektrische Verbindung zwischen Kamera und Objektiv vorsehen. Für solche Anwendungen kann es sich anbieten, nur per mechanischem Adapter das Zubehör an die Kamera zu montieren und daran dann nur Optik zu montieren, bei der die Blende manuell einstellbar ist. Ich kann etwa ein spezielles Lupenobjektiv aus dem FD-System an einem FD-Balgengerät für solch eine Anwendung verwenden. Canon bietet für das EOS-System ein spezielles Lupenobjektiv Canon MP-E 65mm 1:2.8 an, welches ich mir inzwischen ebenfalls besorgt habe, welches ohne Balgengerät auskommt und dann einfacher und effektiver funktioniert, soweit damit die gewünschte Anwendung abgedeckt wird. Makrozubehör von Novoflex samt Balgengerät und Retroadapter ist zudem auch brauchbar, um damit den elektronischen Kontakt zu halten.

Bei Canon sind derzeit auch die Bildstabilisierer - sofern vorhanden - immer im Objektiv untergebracht. Bei anderen Herstellern gibt es auch die günstigere Variante, dies in der Kamera unterzubringen. Was technisch effektiver ist, ist schwer zu sagen. Könnte ja aber sein, daß in Zukunft ein Bildstabilisierer in beiden Komponenten untergebracht ist und die dann jeweils automatisch aushandeln, welcher davon verwendet wird, weil als effektiver angesehen.

Im praktischen Einsatz hat sich erwiesen, daß die Ausstattung der Kamera mit allerlei Knöpfen auch hinten links beim Objektivwechsel etwas nervig sein kann. Jedenfalls erschwert dies das sichere Greifen der Kamera und zügige Wechseln der Objektive, was jedenfalls angeraten ist, um zu vermeiden, daß Staub in Kamera und Objektiv geraten. Die Kamera vor jedem Objektivwechsel auszustellen, ist auch lästig. Was haben die Canon-Entwickler sich gedacht, wie ein Objektiv gewechselt werden kann? Wenn der Knopf an der Kamera zur Entriegelung des Objektivs gedrückt wird, liegen Hand und Daumen nahezu zwangsläufig auf den Knöpfen auf der Rückseite. Die rechte Hand wird indesssen gebraucht, um das Objektiv zu drehen, zu lösen, zu halten und zu wechseln.

Sensor

Die vermutlich hinlänglich bekannten 21 Millionen Pixel der Kamera hören sich erstmal nach viel an. Wenn eine Kompaktkamera allerdings über gut 5 Millionen Pixel verfügt, ist die Kantenlänge des Bildes in Pixeln auch nur halb so groß wie bei Bildern der EOS 5D Mark II, also ist das eine Pixelmenge im plausiblen Bereich, die auch noch Reserven für Nachbearbeitungen bietet. Kaum jemand wird einen Monitor haben, um ein Bild mit 5 Millionen Pixeln ohne Skalierung komplett anzuzeigen, insofern gibt da auch in der Hinsicht keinen großen Unterschied. Der tritt natürlich auf, wenn die Bilder großformatig ausgedruckt werden sollen, da ergibt ein Faktor 2 in der Kantenlänge oder 4 bei der Fläche schon einen relevanten Unterschied.

Das Aspektverhältnis (Verhältnis von Breite zu Höhe) ist 3:2. Bei vielen kleinen Kameras ist es heutzutage eher 4:3. Bei letzterem wird das runde Objektiv etwas besser ausgenutzt. Bei gleicher Fläche würde man dort etwas weniger vom Rand der Linsen mitbekommen, wo sich die Hersteller besonders große Mühe geben müssen, um Abbildungsfehler kleinzuhalten. Bei vielen meiner Motive brauche ich das Verhältnis von 3:2 nicht, macht aber auch keinen großen Unterschied. Aufnahmen von Landschaften werden allerdings oft vom Format 3:2 oder gar 2:1 profitieren - oder zumindest wären dann die abgespeicherten Dateien kleiner. Ansonsten lohnt es sich aufgrund der Möglichkeit der Nachbearbeitung kaum, die Unterschiede beim Aspektverhältnis zu dramatisieren.

Sinnvoller wäre es eigentlich, runde Bilder aufzunehmen, bei denen man später erst bei der Erstellung des Endergebnisses bestimmt, ob eher Hoch- oder Querformat sinnvoll ist und welches Aspektverhältnis für das Motiv sinnvoll ist. Das würde einem auch das lästige Drehen der Kamera bei Hochformataufnahmen sparen. Dies ist mir aber für keine Kamera bekannt - allenfalls bei Fischaugenobjektiven kann das beobachtet werden - ohne zusätzliche Hilfsmarkierungen ist dort allerdings eine gezielte Aufnahme mit gewünschten späteren Aspektverhältnis auch nicht einfach. Gegenüber 4:3 wären die Dateien auch nur um etwa 31% größer, bei 3:2 immerhin um etwa 89%.

Die absolute Größe des Sensors mit 36mm mal 24mm entspricht dem klassischen Kleinbildformat, das ist deutlich größer als Sensoren in Kompaktkameras (ein bis zwei Größenordnungen, je nachdem wie klein der Sensor in der Kompaktkamera ist). Bei sagen wir mal nur 4 mal mehr Pixeln ergeben sich so im Vergleich immer noch recht große Pixel, was gut ist, um eine gute Lichtausbeute zu erzielen und das Rauschen niedrig zu halten. Die Größe des Sensors bedingt allerdings auch, daß die Durchmesser der Objektive entsprechend sein müssen, um dies gleichmäßig und mit hoher Lichtstärke auszuleuchten. Bei der derzeit üblichen Konstruktion der Sensoren kommt anders als bei analogen Kameras noch erschwerend hinzu, daß das Licht möglichst an allen Stellen senkrecht auf den Sensor fallen sollte. Gegenüber Filmen ergeben sich so also ganz allgemein gewisse Nachteile. Allerdings ist die erreichbare Empfindlichkeit der Sensoren deutlich höher als die von den klassischen Filmen.

Wie die meisten Digitalkameras (Ausnahme Sigma/Foveon) verwendet der Sensor eine Bayer-Matrix, verliert also durch Filter für rot und blau etwa 75% des verfügbaren Lichtes, für grün immerhin noch 50%. Im Durchschnitt wird also bestenfalls etwa ein Drittel des Lichtes genutzt, welches auf die Pixel fällt. Der Pixelabstand beträgt 6.4 Mikrometer. Die tatsächliche Pixelgröße gibt Canon leider nicht an, je nach Bauweise des Sensors kann die effektive Fläche eines Pixels kleiner sein als das Quadrat des Pixelabstandes, das hängt davon ab, ob die Pixel vorne oder hinten verschaltet sind und über welche Fläche Filter und Linse des jeweiligen Pixels reichen. Ferner hat die Qualität der Entspiegelung von Filter und Linse vor jedem Pixel Einfluß auf die Effektivität des Sensors. So oder so wird bei solchen Sensoren also maximal ein Drittel des einfallenden Lichtes für die Aufnahme verwendet, vermutlich höchstens 25 bis 30 Prozent. So bleibt also bei gleicher Pixelgröße noch viel Raum für Verbesserungen hinsichtlich der Empfindlichkeit des Sensors oder bei gleichbleibender Empfindlichkeit hinsichtlich der Auflösung, obgleich dieser schon als recht empfindlich und rauscharm gilt. Auch beim Nachfolgemodell EOS 5D Mark III mit geringfügig kleinerem Pixelabstand hat sich da offenbar nicht viel getan. Allenfalls bei den JPEG/JFIF wird da wohl vom leistungsfähigeren Prozessor das Rauschen etwas effektiver herausgerechnet.

Sensorreinigung

Die Kamera verfügt auch über eine integrierte Sensorreinigung und eine Staublöschfunktion. Die Reinigung scheint mir nach meinen bisherigen Erfahrungen sinnvoll zu sein, zumindest gab es nach mehreren tausend Aufnahmen noch keine Partikel, die sich dauerhaft auf dem Sensor festgesetzt hätten. Allerdings heißt dies auch nicht, daß die Partikel wirklich auf Anhieb komplett verschwinden, einige scheinen zu wandern, bis sie irgendwann 'verschwinden'. Sinnvoll scheint es mir zu sein, die Sensorreinigung im Bedarfsfalle öfter über mehrere Tage immer wieder durchzuführen. Es könnte sich dabei wohl auch lohnen, die Kamera aufs Objektiv zu stellen, damit die Partikel gegebenenfalls eher Richtung Verschluß fallen, wenn die Reinigung beendet ist. Canon gibt allerdings die andere Richtung als effektiver an.

Canon empfiehlt bei weitergehenden Problemen eine Reinigung durch den Service - unklar bleibt bei der Anleitung, ob dies kostenlos ist oder nicht ;o)

So oder so beschreibt die Anleitung auch eine spezielle Funktion, die den Verschluß dauerhaft öffnet, um selbst eine Reinigung vorzunehmen. Mechanischer Kontakt mit dem Sensor ist jedenfalls bedenklich und wird meiner Erfahrung mit Optik nach bei dem Aufbau die Lage zumeist eher verschlimmern.

Reinigung mit Flüssigkeiten kann die Partikel in unzugängliche Ecken oder eventuell auch zwischen die Einzellinsen schwemmen. Canon gibt zudem nicht an, gegen welche Flüssigkeiten oder Lösungungsmittel der Sensor resistent ist (hochreines Wasser? Aceton? Methanol? Ethanol? Iso-Propanol?). Auch dies kann die Lage also leicht verschlimmern.

Reinigung mit hochreinem Gas ist prinzipiell möglich und kann insbesondere bei etwas größeren Partikeln sinnvoll sein, die nennenswert von der Fläche abstehen, also nicht flach aufliegen. Bei sehr flachen oder kleinen Partikeln hingegen wird ein Gasstrahl nicht so viel bringen, weil sich an der Oberfläche eine laminare Strömung ausbildet, der Gasstrahl also gar nicht bis zur Oberfläche vordringt. Bei dem Strahl sollte es wohl ein Überschallstrahl sein, Edelgas oder nicht reaktive Gase wie Stickstoff; hochreines Gas, weil etwa Druckluft selbst Partikel oder Öltröpfchen enthalten könnte, die dann durch den Strahl auf oder in den Sensor geschossen werden könnten. Reinigung mit einem Gasstrahl beinhaltet aber das Problem, daß damit die Partikel herumgewirbelt werden, also teils auch aus dem Bereich um den Spiegel in den kritischen Bereich mit dem Sensor und in diesem Bereich in schwer zugängliche Ecken, aber nicht notwendig aus der Kamera hinaus. Letzteres ist vermutlich eher wahrscheinlich, wenn die Kamera dabei so befestigt wird, daß der Sensor oben ist und die Gehäuseöffnung unten. Schwerere Partikel haben dann zumindest eine Chance, nach unten zu fallen, wenn sie aufgewirbelt werden. Der Strahl sollte dann jedenfalls nur auf den Sensor gerichtet werden, um zu vermeiden, daß auch Staub aus dem Spiegelkasten in den Sensorbereich hinter den Verschluß gelangt. Eine sorgfältige Reinigung des Spiegelbereiches bei geschlossenem Verschluß ist also vor einer Sensorreinigung bei offenem Verschluß dringend zu empfehlen, ebenso eine Reinigung in einer staubarmen Umgebung, um ein Hineinwirbeln von Staub in die Kamera bei der Reinigung zu vermeiden.

Canon warnt auch vor Gasstrahlen mit zu hohem Druck und vor einem versehentlichen Kontakt der Düse mit dem Verschluß oder gar dem Sensor. Es ist leider aber kein Wert für eine Kraft vermerkt, die vom Sensor toleriert wird.

Die Staublöschfunktion kann auch nicht mehr tun, als das Signal dort mehr zu verstärken, wo sich ein Partikel dauerhaft festgesetzt hat. An den Stellen ist dann also das Rauschen größer und die Auflösung niedriger. Bei wandernden Partikeln verschlechtert die Funktion das Resultat sicherlich nur. Wohin die Partikel durch die Sensorreinigung gelangen, ist mir unklar. Es erscheint mir allerdings unwahrscheinlich, daß die integrierte Sensorreinigung es vermag, die Partikel aus dem kritischen Bereich zwischen Sensor und Verschluß zu entfernen oder sie zumindest außerhalb des Sensors dauerhaft zu fixieren.

Warum Canon nicht einfach ein gut zugängliches entspiegeltes Fenster zwischen Spiegel und Verschluß oder Spiegel und Objektiv einsetzt, um den kritischen Sensorbereich staubfrei zu halten, ist mir allerdings unklar. Ein einfaches Fenster ist zudem sicher einfacher zu reinigen als der Sensor und der Verschluß. Außerdem könnte dies gut genutzt werden, um infrarotes und ultraviolettes Licht zu filtern. Jedenfalls scheint es mir da noch viel Raum für Verbesserungen zu geben.

Akku und Leistungsaufnahme

Den ersten Erfahrungen zufolge ist die Leistungsaufnahme eher gering und der Akku gut dimensioniert. Das einmalige Füllen der 8GB-Karte (7.5GiB) mit JPEG/JFIF+Raw (etwa 240 Stück) beim ersten Praxiseinsatz hat jedenfalls nur etwa 25% der im Akku gespeicherten Energie verbraucht. So kann man also auch bei der Aufnahme von Rohdaten mit etwa 1000 Bildern pro Akkuladung rechnen, sofern man nicht besonders viel mit der Kamera herumspielt oder den Monitor anschaltet.

Der Akku und das Einschubfach dafür sind unten im Boden der Kamera im Bereich der Griffwulst angeordnet. Die ist für die meisten Stative weit genug weg vom Stativgewinde, um den Akku wechseln zu können, ohne die Kamera vom Stativ zu nehmen.

Stativgewinde

Das Stativgewinde ist geschickterweise zentrisch zur Objektivachse und zur Sensorebene angeordnet. Dies sollte bei Panoramaaufnahmen recht einfach ermöglichen, den Blickwinkel der Kamera zu verdrehen, ohne dabei eine Verschiebung zu verursachen. Das seit Jahrzehnten allseits verwendete zöllige Normgewinde ist natürlich nach wie vor eine Zumutung wie bei allen anderen Kameras auch - mit einem Gewinde und ohne Fixierungstift ist eine Verdrehung ja immer möglich. Das Stativgewinde ist also wie bei allen Kameras als mangelhaft einzustufen, immerhin aber robust. Zöllig ist natürlich auch eine Zumutung, die eine Fixierung im Labor etwa zusätzlich erschwert.

Kartenschacht

Der Kartenschacht ist rechts in der Griffwulst angeordnet und läßt sich somit auch öffnen, wenn die Kamera auf einem Stativ steht. Ist ein Stabblitzgerät rechts von der Kamera angeordnet, ist jedoch auf einen ausreichenden Abstand von ein paar Zentimetern zu achten, wenn mit einem Wechsel der Karte gerechnet werden muß.

Bei der 16GB-Speicherkarte behauptet die Kamera ab und an mal mitten im Betrieb, also nach dem Abspeichern diverser Bilder, die Karte sei nicht formatiert. Zu beheben ist das durch ab- und anschalten der Kamera oder raus- und reindrücken der Karte. Das nervt natürlich etwas, wenn man gerade etwas photographieren will. Dieser Fehler der Kamera tritt unregelmäßig und eher selten auf und könnte darauf hinweisen, daß das Betriebssystem eher Probleme mit großen als kleinen Karten haben könnte. Da hätte man sich von Canon schon ein etwas solideres Betriebssystem gewünscht.

Externe Anschlüsse

Sonstige externe Anschlüsse für Fernauslöser, Blitz (es gibt zwei davon, der Mittenkontakt ist natürlich oben, es gibt auch noch einen klassischen Rundkontakt), USB, Monitor (HDMI) und Mikrophon liegen unter zwei Klappen links am Gehäuse. Bei Anordnung eines Stabblitzgerätes links ist also dort entsprechend Abstand zu halten, wenn diese Kontakte verwendet werden sollen.

Für die Blitzanschlüsse ist noch bemerkenswert zu erwähnen, daß Canon im Handbuch angibt, daß diese abgesichert seien bis zu 250V. Das ist deutlich höher als die 24V, die laut internationaler Empfehlung/Norm mindestens notwendig sind. Somit eignet sich die Kamera auch für den Einsatz mit den allermeisten älteren Blitzgeräten, die vor Entstehung der Empfehlung entwickelt wurden. Dies ist insbesondere wichtig, weil es immer wieder Meldungen gibt, daß Kamerahersteller (auch Canon) Kameras verkaufen, die technisch mangelhaft sind, weil sie nicht die empfohlenen 24V einhalten, beim Einsatz auch mit normgerechten Blitzgeräten also ein Reparaturfall werden könnten. Lobenswert bei der Canon EOS 5D Mark II ist daher eine Absicherung, die sogar mehr als eine Größenordnung über der Empfehlung liegt.

Bedienung

Die Bedienung ist beim ersten Kontakt im automatischen Modus recht einfach und unproblematisch, weil man praktisch nur den Knopf zum Einschalten braucht und den zum Auslösen, die sich beide schnell eindeutig identifizieren lassen. Im Falle des Einschalters gelingt dies mit Grundkenntnissen in englisch oder der Kurzanleitung oder des Handbuches - hinten/unten 'ON/OFF'. Ich vermute, es ist am einfachsten, das Objektiv mit der linken Hand zu umfassen und mit Zeigefinger und Daumen der rechten den Hauptschalter umzulegen. Zumindest hat der Schalter einen knuffeligen kleinen Griff dran, der eine solche Handhabung suggeriert. Alternativ mag man auch mit der rechten den Griffwulst umfassen und mit Zeigefinger und Daumen der linken den Schalter umlegen. Funktioniert beides etwa gleich gut oder schlecht, kommt vermutlich etwas auf das Geschick und die Größe der Finger an - für mich ist der Schalter jedenfalls ausreichend dimensioniert und weil mit links und rechts bedienbar, ist auch die Positionierung ziemlich weit unten in Ordnung.

Das Auffinden des Auslösers ist jedenfalls sehr einfach, wenn man schon mal eine andere Kamera in der Hand hatte - der ist vorne/oben an der rechten Griffwulst angeordnet, wo der Zeigefinger eigentlich von selbst liegt, wenn man die Kamera sicher anfaßt. Die Griffwulst ist bereits so ergonomisch geformt, daß man von selbst an die richtige Stelle gelangt - gute Arbeit an der Stelle.

Nun ist zu erwarten, daß die Kamera von ambitionierteren Photographen bedient werden wird - und für diese gibt es eine große Fülle von Knöpfen und Einstellmöglichkeiten, die mit Hilfe des Handbuches erforscht werden können, wollen und wohl auch müssen, denn anders als etwa meine Kamera von Panasonic gibt die Kamera selbst keine oder kaum selbst Hinweise darauf, wie sie zu bedienen ist.

Die Dimensionierung der Knöpfe an der Kamera ist weitgehend in Ordnung - Anordnung, Funktionskonzept und Benutzerführung sind teils disskussionswürdig oder lassen Raum für Verbesserungen.

LCD-Anzeige und LCD-Monitor

Informationen liefert die EOS 5D Mark II reichlich und an verschiedenen Stellen, nicht nur im Sucher. Bei den aufnahmerelevanten ist dies eher alternativ oder zusätzlich zur Information im Sucher, andere Daten finden sich eher nur in der LCD-Anzeige und dem LCD-Monitor. Das und das Vorhandensein von LCD-Anzeige und dem LCD-Monitor ergibt durchaus Sinn, denn sicherlich verbraucht die einfache LCD-Anzeige viel weniger Leistung als der große LCD-Monitor. Zudem erfordern manche Einstellungen eine direkte Kontrolle außerhalb des Suchers, da ist die kleinere und gut lesbare Anzeige genau richtig. Der große Monitor ist hingegen sehr hilfreich, um zum einen Bilder zu begutachten, zum anderen aber auch um aufwendigere Einstellungen über das Menü mit mehr Text und Optionen durchzuführen. Und gut dimensioniert und mit hinreichend vielen Pixeln ausgestattet, ist der Monitor dafür sehr gut verwendbar, auch wenn das sicher einiges an Leistung zieht, woran man denken sollte, falls es noch ein langer Tag sein sollte, bis die nächste Steckdose zum Laden verfügbar ist. Die voreingestellte Rückschauzeit, also die Zeit, die ein aufgenommenes Bild nach der Aufnahme auf dem Monitor angezeigt wird, habe ich jedenfalls von den 2s auf 'aus' umgeschaltet, weil ich innerhalb von 2s sowieso nicht vom Sucher zum Monitor wechsele und das Bild ja auch mit einem Druck auf die Wiedergabetaste dann verfügbar ist, wenn ich es sehen möchte. Anfangs hat mich auch das kurze Aufblitzen des Monitors kurz nach einer Aufnahme am äußeren Gesichtskreis irritiert, während ich noch durch den Sucher geguckt habe - auch in der Hinsicht hat sich die Deaktivierung der automatischen Wiedergabe als hilfreich erwiesen.

Programmauswahl

Die Programmauswahl (Modus-Wahlrad) mit dem Knopf oben links ist gut zu identifizieren, sofern die üblichen Bezeichnungen wie 'P, Tv, Av, M, B' bereits von anderen Kameras bekannt sind. Der Knopf ist gut dimensioniert und kann gut bedient werden.

Eine Einstellmöglichkeit ist ein grünes Kästchen für einen vollautomatischen Modus (wenn man keine Ahnung hat, recht nützlich und führt da sicher auch zu passablen Ergebnissen, bei denen man sich nicht um die vielen anderen Knöpfe kümmern muß). Eine Variante dazu ist ein weißes Kästchen mit der Aufschrift 'CA', auch Kreativautomatik genannt. Dies ermöglicht einen Modus für einen ähnlichen Kenntnisstand hinsichtlich Photographie, aber einem guten Gefühl dafür, was man wohl für eine Art von Motiv vor sich hat. Was sich ansonsten hinter tollen Zahlenkombinationen verbirgt, läßt sich hier mit im Menü simulierten Schiebereglern ohne Fachkenntnisse einstellen - nun, einiges zumindest. Da ich Fachkenntnisse habe, habe ich nur einen sehr kurzen Blick darauf geworfen.

Dann gibt es noch drei weitere Einstellmöglichkeiten, wo man im Menü die aktuellen Einstellungen abspeichern kann, die dann sofort wieder verfügbar sind. Ich habe da jedenfalls gleich einen Modus abgelegt, der es mir erlaubt, zügig mein altes externes Metz-Blitzgerät im manuellen Modus zu verwenden (45 CT 5, Belichtungsteuerung durch Objektiv und Kamera leider nur bei der A1 etc möglich, dessen Steuerungstechnik für das Blitzgerät TTL inkompatibel zum EOS-System ist, wo man das Blitzgerät nur über die normale Rundbuchse für Blitzgeräte oder beim Mittenkontakt mit dem Mecamat 45-30 anschließen sollte und den Sensor des Blitzgerätes oder besser den Mecamat zur Belichtungssteuerung verwenden muß. Leider gibt es von Metz auch keinen passenden Adapter zur Verwendung des Blitzes am EOS-System, obwohl der Blitz mit einem SCA ausgestattet ist. Einen Adapter für den normalen Mittenkontakt habe ich leider nicht und den alten SCA für das A-System sollte man wohl besser nicht verwenden, weil die Zusatzkontakte eine andere Bedeutung bei EOS haben). Sehr hilfreich immerhin, wenn man das nicht alles jedesmal erneut einstellen muß.

Da bei Digitalkameras eine Änderung der Empfindlichkeit bei jeder Aufnahme möglich ist, fehlt eigentlich eine Automatik, bei der Blende und Verschlußzeit festliegen und die Empfindlichkeit geändert wird. Nach einem solchen Programm sucht man aber bislang vergeblich. Je nach gewähltem Programm scheint die Kamera eine offene Blende, beziehungsweise eine für die Brennweite geeignet kurze Verschlußzeit zu bevorzugen und zu dieser Einstellung die Empfindlichkeit zu ändern, sofern diese auf Automatik gestellt ist.

Der bereits genannte manuelle Modus M hat eine schöne Hilfe, wo im Sucher anhand der Anzeige zur Belichtungskorrektur auszumachen ist, ob die Kamera die Kombination von Blende, Verschlußzeit und Empfindlichkeit für richtig hält oder eben im Bereich von zwei Belichtungsstufen für wie falsch. Mit dem Hauptrad wird die Verschlußzeit eingestellt, mit dem Daumenrad die Blende.

Der manuelle Modus macht auch die bereits erwähnte Verwendung von Blitzgeräten mit eigener Belichtungsautomatik sehr einfach. Empfindlichkeit und Blende bei Blitzgerät und Kamera gleich einstellen, bei der Kamera noch die gewünschte Verschlußzeit nicht kürzer als 1/200 Sekunde und es kann losgehen. Für mein Blitzgerät von Metz habe ich sogar noch einen externen justierbaren Sensor, der es recht einfach macht, korrekt zu belichten. Zusätzliche Lichteinbußen durch Balgengeräte oder Zwischenringe sind allerdings zu berücksichtigen.

Bei der Zeitvorwahl Tv wird die Zeit mit dem Hauptrad über dem Auslöser eingestellt, entsprechend die Blende bei der Blendenvorwahl Av. Bei der Programmautomatik P werden mit dem Hauptrad beide Werte gleichzeitig verschoben, man kann also flexibel einstellen, ob man lieber eine Kombination von kurzer Verschlußzeit und offener Blende oder langer Verschlußzeit und geschlossener Blende haben will, ohne sich exakt festlegen zu müssen. Die Wahl der Empfindlichkeit ist davon nicht betroffen.

Einstellung B ist ein Sonderfall der manuellen Vorwahl. Die Blende wird mit Hauptrad oder Daumenrad ausgewählt, die Verschlußzeit ergibt sich in Form einer Langzeitbelichtung, solange der Auslöser gedrückt wird. Eleganter geht es mit einem zusätzlich zu kaufenden Fernauslöser oder Zeitgeber, bei dem sich Anfang und Ende der Belichtungszeit jeweils mit einem Knopfdruck bewerkstelligen lassen, der Knopf also nicht gedrückt gehalten werden muß.

Was nicht im Handbuch steht, aber glücklicherweise trotzdem problemlos funktioniert, ist die automatische Bestimmung der Verschlußzeit bei Zubehör ohne Automatikanschluß - auch Arbeitsblendenzeitautomatik genannt. Bei automatischen Objektiven kann man an der Kamera einfach die Ablendtaste vorne unten-links vom Objektiv betätigen, um den aktuellen Schärfenbereich zu beurteilen, da braucht es keine Arbeitsblendenzeitautomatik, nur bei Zubehör ohne Automatikfunktion. So konnte ich zum Beispiel problemlos mit einem Adapter für FD-Zubehör an EOS-Kameras mein Balgengerät mit Lupenobjektiv verwenden. Die Kamera hat anstandslos die korrekte Belichtungszeit automatisch bestimmt. Ich habe einen Adapter ohne Linse für Nahaufnahmen, folglich gibt es da keine Qualitätseinbußen bei der Verwendung des hochwertigen alten Lupenobjektivs von Canon an einer neuen EOS-Kamera. Bei Verwendung eines Blitzgerätes mit eigenem Sensor muß man allerdings kurz überdenken, was man da manuell an Kamera und Blitzgerät einstellt, um zu einer korrekten Belichtung zu kommen. Bei einem geduldigen Motiv kann das natürlich auch einfach durchprobiert werden. Bei Motiven in der Nähe einer Steckdose kann ich so auch meine Kaltlichtleuchte mit integriertem Blitz nutzen, da kenne ich ohnehin den Unterschied zwischen Dauerlicht und Blitz und kann das bei der Belichtung einfach berücksichtigen. Eine LED wäre da für unterwegs auch noch eine sinnvolle Ergänzung.

'Multicontroller'

Eine wichtige Ausnahme hinsichtlich einer angemessenen Dimensionierung der Bedienelemente stellt der sogenannte 'Multicontroller' auf der Kamerarückseite über dem charakteristischen Daumenrad angeordnet dar. Obgleich ich selbst keine besonders großen Finger habe, ist ein Objekt mit einem Durchmesser von etwa sechs Millimetern eindeutig zu klein für etwas, welches neun Richtungsknöpfe repräsentieren soll. Das Teil ist eine Zumutung, die man aber glücklicherweise auch nicht häufig braucht. Ein Durchmesser im Bereich von 15 bis 20 Millimetern wären da sicher angemessen. Dafür könnte man den Durchmesser des Daumenrades im Ausgleich notfalls auf 20 Millimeter verkleinern.

Mit dem 'Multicontroller' kann zum Beispiel das Autofokus-Meßfeld ausgewählt werden. Eine andere Anwendung besteht darin, damit in einem Schnelleinstellfeld auf dem Monitor zwischen verschiedenen Funktionen zu navigieren. wonach der Wert dann mit dem Haupteinstellrad oder dem Daumenrad verändert werden kann. Ob die Navigation wirklich schnell ist, wird entscheidend davon abhängen, wie gut man dabei mit dem 'Multicontroller' zurechtkommt, um zwischen den Funktionen zu wechseln.
Auch bei der Kreativautomatik kommt der 'Multicontroller' zur Navigation zum Einsatz.

Daumenrad

Hinsichtlich des Daumenrades stellt sich mir die Frage, wie die Entwickler der Kamera diese zu halten pflegen, um diese Benennung zu rechtfertigen. Die normale Position des Daumens in Aufnahmestellung ist grob zwischen dem 'Multicontroller' und dem 'AF-ON' Knopf - durchaus sinnvoll, daß da sonst nichts ist. Von da aus dann jedenfalls das Daumenrad zu bedienen, was bei einigen Betriebsmodi notwendig ist, erfordert einige Fingerakrobatik. Mir zumindest scheint das Daumenrad viel zu weit unten angeordnet zu sein, um ergonomisch genutzt werden zu können. Ganz rechts oben wäre meiner Meinung nach die bessere Wahl, die dortigen Skalierungsknöpfe hingegen eher neben die große Anzeige, wo jetzt das Daumenrad ist.

Haupteinstellrad

Das noch wichtigere Haupteinstellrad ist knapp über den Auslöser jedoch gut angeordnet und auch so dimensioniert, daß es mit dem Zeigerfinger gut bedienbar ist, ohne sich mit diesem weit vom Auslöser und der Aufnahmeposition entfernen zu müssen.

Administrative Knöpfe

Die Anordnung der mehr administrativen Knöpfe Menü, Auswahltaste Bildstil, Information, Wiedergabe, Löschen hinten links neben dem Monitor scheint mir ergonomisch gut zu sein, die sind mit der linken Hand gut erreichbar und müssen in zeitkritschen Situation nicht so oft zu benutzt werden. Stören tun sie gelegentlich beim Objektivwechsel, weil man da die Kamera ja auch irgendwo festhalten muß, um den Knopf zu drücken, der das Objektiv löst und dies dann abzudrehen. Dabei jedenfalls kann es leicht passieren, daß ein oder zwei dieser Knöpfe versehentlich gedrückt werden.

Auswahltasten

Diskussionswürdig sind hingegen wieder die vier Auswahlknöpfe oben rechts vor der kleinen Anzeige. Zum einen ist es teils nicht gerade einleuchtend, warum man den Knopf mit der Aufschrift 'AF-Drive' verwenden soll, um den Selbstauslöser einzustellen. Zum anderen stellt sich gerade bei diesen und den anderen drei Knöpfen hinten oben die Frage, ob das Bedienkonzept generell so ideal ist. Denn nach (nur) sechs Sekunden wird eine ausgewählte Funktion wieder abgestellt und die Betätigung der Multifunktionseinstellräder Hauptrad und Daumenrad bewirkt eine andere Änderung als die der ausgewählten Funktion. Um sich mit der Kamera vertraut zu machen, braucht es für die jeweilige Funktion oft mehr als 6s und eher bedächtige Zeitgenossen werden durch solch einen Mechanismus unnötig unter Streß gesetzt. Mag dieses 6s-Fenster auch für einige Zeitgenossen effektiv sein, die insbesondere mit der Bedienung schon recht vertraut sind, stellt dies für weniger vertraute Personen und vermutlich auch ältere Mitbürger oder allgemein solche mit eingeschränkterer Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit eine Barriere dar. Mir scheint es da nützlicher zu sein, die Funktionsauswahl entweder mit einem abermaligen Betätigen der jeweiligen Funktionstaste wieder aufzuheben oder aber ein Konzept zu verwenden, wo man die Funktion selbst auswählt und daher mit weniger Einzelknöpfen auskommt. Zusammen mit einer etwas besseren Nutzerführung kann das enorm helfen.

Etwas ähnliches wie eine Multifunktionstaste ist mit dem 'Multicontroller' umgesetzt, der die verfügbaren Funktionen dann auf dem Monitor darstellt, wenn er gerade heruntergedrückt wird. Leider ist diese Taste etwas klein geraten, so daß dies auch keine wirklich elegante Lösung ist, wenngleich die Darstellung der Funktionen auf dem Monitor sehr übersichtlich ist. Zudem wird damit die Zeit für eine Reaktion auch nur auf 10s erhöht.

Empfindlichkeitseinstellung

Bei der Empfindlichkeitseinstellung stellt sich die Frage, warum man da die Erweiterung explizit im Menü aktivieren muß und warum da 'L' statt 50 auftaucht. 'H1' und 'H2' kann man noch verstehen, zum einen, weil die Einstellungen sowieso stark rauschverdächtig sind und in der Anzeige ansonsen eine Ziffer mehr benötigen täten. '50' oder leider nicht verfügbare '25' sind sehr nützlich, wenn man mit einem leistungsfähigen Blitzgerät Nahaufnahmen machen will.

Die andere Frage hinsichtlich der Empfindlichkeitseinstellungen ist, warum man den automatischen Bereich nicht - meinetwegen im Menü - eingrenzen kann. Manchmal ist es hilfreicher, erstmal zu überlegen, als automatisch einen rauschfreudigeren Wert wie 3200 serviert zu bekommen. Andererseits hätte man in schummriger Umgebung mit Blitzverbot eventuell auch gern die komplette Palette bis H2 mit im automatischen Angebot. Ansonsten ist die automatische Einstellung bei dem durchgehend recht niedrigen Rauschpegel der Kamera aber eine deutliche Verbesserung der Nutzbarkeit etwa gegenüber analogen Kameras, die einem bereits in vielen Fällen den Einsatz eines Blitzgerätes ersparen kann - oder dessen Reichweite dramatisch erweitern.

Belichtungsmessung, Meßmethode

Verglichen mit den Kameras des letzten Jahrtausends ist es natürlich traumhaft, bei der Canon EOS 5D Mark II zwischen einigen sehr effektiven Belichtungsmessungsmethoden einfach per Knopfdruck wählen zu können. Schon die voreingestellte Mehrfeldmessung nutzt offenbar verfügbare Informationen recht geschickt aus, um automatisch zu bestimmen, was dem Photographen wichtig sein könnte, oft vermutlich mit großem Gewicht auf das, worauf fokussiert wurde. Canon verrät natürlich nicht im Detail, wie das Programm dahinter funktioniert, doch es liefert passable Ergebnisse, auch bei Gegenlicht um das Hauptmotiv herum, auf welches scharfgestellt wurde. Zumindest eine so recht lieblos automatisch aufgenommene Kastanie mußte ich nachher auf dem Rechner nur geringfügig nachkorrigieren. Mit der mittenbetonten Integralmessung sollte man etwa das bekommen, was schon bei der A1 funktioniert hat - also für normale Aufnahmesituationen ein schön zentriert gewichtetes Mittel. Auch das ist für manches Motiv eine gute Wahl.

Wer lieber auf den eigenen Verstand bei der Wahl des Details vertraut, welches richtig belichtet werden soll, als auf die Rechnerei der Kamera, für den gibt es auch noch eine Selektivmessung, mit der ich vermutlich meine eben erwähnte Kastanie auch ganz ohne Korrekturen gut abgelichtet bekommen hätte, und eine Spotmessung. Für die Spotmessung ist der Bereich im Sucher mit einem Hilfskreis gekennzeichnet. Unter anderem bei Makroaufnahmen mit starken Kontrasten ist das sehr gut brauchbar. Der Meßbereich der Selektivmessung deckt eine gut doppelt so große Kreisfläche ab, gut der Bereich der inneren sieben Autofokusmarkierungen.

Als grober Mangel ist anzusehen, daß nur die Mehrfeldmessung und eine Integrale Messung für die Blitzautomatik der Kamera verfügbar sind. Siehe auch die Erläuterungen dazu im betreffenden Abschnitt über den Blitzbetrieb.

Zusätzlich kann bei allgemeiner Aktivierung des Daumenrades mit diesem eine manuelle Belichtungskorrektur vorgenommen werden, für die es dann auch eine direkte graphische Anzeige im Sucher gibt. Wegen der leichten Verstellmöglichkeit des Daumenrades empfiehlt es sich andersherum nicht unbedingt, dies generell allgemein zu aktivieren, um Fehlbelichtungen durch unbeabsichtigtes Verstellen im Eifer des Photographierens zu vermeiden. Zusammen mit der Abstellautomatik nach 6s ergibt sich beim Daumenrad so bei einigen Einstellungen eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit einer versehentlichen Belichtungskorrektur. Dies ist in den Anzeigen der Kamera unbedingt zu beachten, wenn keine Korrektur erwünscht ist.

Belichtungsreihenautomatik

Drei aufeinander folgende Aufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen können automatisch mit der Belichtungsreihenautomatik erfolgen. Die Belichungswerte oder die Größe der Streuung derselben um den Mittelwert kann eingestellt werden.

Drei Aufnahmen werden allerdings für Anwendungen wie DRI (Mehrfachaufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungswerten, die nachher am Rechner zu einem Bild mit großem Dynamikbereich gewichtet aufaddiert werden) nicht unbedingt ausreichen, da stellt sich die Frage, warum man nicht einfach einstellen kann, ob man gerne drei, fünf sieben, neun oder elf Aufnahmen hätte. Hier gibt es also Raum für Verbesserungen.
Als Notbehelf sollten jedenfalls die Über- und Unterbelichtungen so gewählt sein, daß bei der Unterbelichtung die hellsten Partien Struktur aufweisen und bei der Überbelichtung die dunkelsten Stellen Struktur aufweisen. Werden die drei Aufnahmen dann im Rohdatenformat abgelegt, dann man deren größeren Dynamikbereich zusätzlich nutzen, um mit den drei Aufnahmen einen noch größeren Dynamikbereich abzudecken.

Belichtungsspeicherung

Sofern die Kamera nicht in einem der vollautomatischen Modi ist, können die aktuellen Belichtungsdaten zwischengespeichert werden. Für die konkrete Aufnahme kann dann der Ausschnitt gewechselt werden oder die Fokussierung erneut vorgenommen werden. Auch können so mehrere Aufnahmen mit den gleichen Werten vorgenommen werden. Zur Speicherung wird einfach der mit einem Stern gekennzeichnete Knopf rechts oben gedrückt. Wie man allerdings zügig das gespeicherte Ergebnis wieder los wird, wenn man es nicht verwenden will, bleibt ein Geheimnis von Canon. Auch der Hinweis, daß man den Sternknopf gedrückt halten soll (mit dem Daumen?), um bei einer Aufnahme das gespeicherte Ergebnis für weitere Aufnahmen beizubehalten, deutet auf Fingerakrobaten bei den Canon-Entwicklern hin. Weniger geschickte Photographen werden da vermutlich zu einem Stativ greifen, um die Hände für die Aktion möglichst frei zu haben ;o) Alternativ könnte einem auch ein kräftiges Klebeband oder ein straffes Pflaster in den Sinn kommen, welches dann auch die durchdachte Ergonomie dieses Funktionsknopfes angemessen hervorhebt ;o)

Liveview - Echtzeitbetrachtung des Sensors

Neben der Betrachtung des Sucherbildes gibt es auch eine Möglichkeit der direkten und kontinuierlichen Anzeige des Bildes des Sensors auf dem Monitor. Dafür muß dies allerdings erst im Menü freigeschaltet werden. Vorteilhaft ist dies vor allem, wenn unter ungünstigen Winkeln photographiert wird oder wenn aus sonstigen Gründen nur schlecht in den Sucher geschaut werden kann. Ein weiterer guter Grund für den Einsatz des Monitors zur Betrachtung des Motivs kann darin liegen, bei einer kritischen Aufnahmesituation die begrenzten Möglichkeiten des Sensors beurteilen zu wollen, also was dieser aus dem Motiv wirklich macht, sofern die Probleme des Sensors die des Monitors dominieren.

Neben der hohen Leistungsaufnahme bei eingeschaltetem Monitor gibt es allerdings weitere Nachteile. Für den Autofokus wird eine weniger effektive Methode verwendet, es gibt ein justierbares Autofokusfeld und der Autofokus ist etwas langsamer und weniger treffsicher. Fokussiert werden muß immer mit dem gesonderten Knopf dafür auf der Kamerarückseite rechts oben. Bei einer Autofokusmethode klappt auch der Spiegel wieder kurz runter, um die effektive Methode verfügbar zu haben.

Der angeschaltete Monitor und das dauernde Auslesen des Sensors sorgt für eine stärkere Erwärmung und damit für mehr Rauschen des Sensors, also ein schlechteres Bild. Wie bereits aus einigen anderen Zusammenhängen bekannt, verändert die Beobachtung des Sensors also das Ergebnis - zumeist wird es etwas schlechter sein als bei Nutzung des Suchers, dafür erlangt man sogleich Kenntnis über aufkommende Probleme, nicht erst nach der Aufnahme.

Für die bereits erwähnte Verwendung im manuellen Modus mit einem Blitzgerät erweist sich Liveview als komplett unbrauchbar, die Erfahrung hatte ich allerdings auch schon bei der Panasonic gemacht, die wegen des fehlenden Spiegels über gar kein echtes Sucherbild verfügt.

Die direkte Betrachtung des Sensors auf dem Monitor ist Voraussetzung für die Filmfunktion, die natürlich nicht verfügbar ist, solange der Spiegel nicht hochgeklappt ist.

Filmfunktion

Bei aktiviertem Liveview kann auch ein Film aufgenommen werden und zwar mit dem Programm, welches bei der Programmauswahl ausgewählt ist. Dauerhafter Autofokus ist dabei nicht möglich. Es wird für die Aufnahme nicht der komplette Sensor und dessen maximale Auflösung verwendet. Maximal wird 'Full HD 1080' verwendet, also 1920 mal 1080 Pixel. Nach dem Scharfstellen erfolgt der Start der Aufnahmen mit dem 'set'-Knopf im Zentrum des Daumenrades. Das Ende erfolgt durch ein abermaliges Drücken des 'set'-Knopfes. Weil mit dem normalen Auslöser die Filmaufnahme unterbrochen werden kann, um ein normales Bild aufzunehmen, ist dieser Knopfwechsel zum Auslösen der Filmaufnahme notwendig, wenngleich auch etwas unpraktisch, auch weil dieser Knopf nicht besonders gut für diesen Zweck positioniert ist.

Leider kann der Film nur als MOV/Quicktime/MPEG-4 mit dem lizenzbehafteten codec H.264 abgespeichert werden. Die mit der Kamera erworbene Lizenz erlaubt nur eine private Nutzung dieser Kodierung. Für andere Nutzungen des Films ist also entweder eine zusätzliche Lizenz zu erwerben oder der Film in ein lizenzfreies Format wie OGG (Theora+Vorbis) zu konvertieren. Der Lizenztext ist ansonsten etwas mehrdeutig, es ist sprachlich nicht eindeutig, ob das Erzeugen der Dateien selbst bereits unter Einschränkung der privaten Nutzung fällt oder nur die Entschlüsselung der Dateien. Aufgrund des Wortlautes könnte im ersteren Falle sogar die Interpretation aufkommen, daß auch in andere Formate konvertierte Videos trotzdem unter die Lizenz fallen. Das kann aber als sehr zweifelhaft angenommen werden, denn sofern eine Dekodierung vorgenommen wird und eine anschließende Kodierung in einem lizenzfreien Format, ist das so entstandene neue Werk frei von dem lizenzbehafteten Verfahren, ist also nur aus etwas entstanden, was der Lizenz unterlegen hat. In der Tat kann dann die Kamera privat genutzt werden, um einen Film aufzunehmen. An der Konversion in ein anderes Format und Werk ist die Kamera nicht mehr beteiligt, insofern entfällt für das neue, aus der Konversion resultierende Werk die Nutzungseinschränkung der Kamera.

Warum Canon das nicht gleich in einem lizenzfreien Format abspeichert oder was diese Lizenzfalle für professionelle Nutzer für einen Sinn ergeben soll, wird Canons Geheimnis bleiben (und auch das der meisten anderen Anbieter solcher Geräte mit einer ähnlichen Lizenzbedingung für ein dadurch unbrauchbares Dateiformat) - oder ist ein Zeugnis für die Inkompetenz von Canon (und anderer) hinsichtlich digitaler Formate.

Da mir nicht klar ist, ob eine allgemein zugängliche Veröffentlichung im internet eine erlaubte private Nutzung ist oder nicht, wird es hier jedenfalls kein Originalvideo in dem Format zu sehen geben. Testvideo (OGG,Theora+Vorbis; 1.4MB; bei mittlerer Qualität etwa einen Faktor 10 kleiner als die originale MOV-Datei, bei höchster Qualität immer noch etwa einen Faktor 3 kleiner...).

Bedingt durch das Lizenzproblem ist die Filmfunktion also pauschal als mangelhaft anzusehen, einmal ganz abgesehen von den Problemen mit dem Aufnahmestart, der wohl auch nicht mit Fernauslösern für normale Aufnahmen zu erreichen ist. Der Ergebnisfilm an sich nach der Konversion in ein brauchbares Format ist gut, beim Ton wird man eher auf ein externes Stereomikrophon setzten statt auf das eingebaute...

Betrieb mit Blitzgerät (E-TTL II)

Mit einem Blitzgerät von Metz (Metz Mecablitz 58 AF-1) habe ich die Kamera im Blitzbetrieb ausprobiert, insbesondere das E-TTL II. Das Blitzgerät kann alle Funktionen der Kamera interpretieren, eignet sich also gut zum Ausprobieren.

Erklärt ist zum E-TTL II in der Anleitung der Kamera nicht viel. Es handelt sich offenbar um die zweite Version dieser speziellen Blitzbelichtungsmessung über die Kamera in der Variante von Canon. Es bleibt dem Nutzer selbst überlassen, herauszufinden, wie die Kamera mit Systemblitzgerät am besten benutzbar ist. Das ist ein weiterer bedauerlicher Mangel der Anleitung zur Kamera. Auf wenigen Seiten hätte dort genau beschrieben sein sollen, wie dies E-TTL-System funktioniert und für welche Anwendungen welche Einstellungen oder Belichtungsprogramme sinnvoll sind.

Anders als beim alten TTL oder bei einem Automatikblitzgerät mit normalem Mittenkontakt werden die Belichtungsdaten eher an der Kamera eingestellt, einiges kann auch alternativ am Blitzgerät eingestellt werden. Die Daten werden dann jeweils zwischen den Geräten ausgetauscht. Sofern und solange dies passiert, sind einige Einstellmöglichkeiten zumindest beim Mecablitz auch gar nicht mehr verfügbar, sind dann also immer an der Kamera vorzunehmen. Der gute Datenaustausch ist ein positiver Effekt solcher Systemblitzgeräte, er verringert deutlich die Fehlerrate durch Einstellungen am Blitz, die versehentlich von denen an der Kamera abweichen.

Anders als bei etwa der A1 stellt sich die Kamera nicht automatisch auf einen sinnvollen Modus um, wenn ein Blitzgerät angeschlossen ist, auch nicht ein Systemblitzgerät. Bei einem Belichtungsprogramm, welches auch die Belichtungszeit reguliert, wird diese jedenfalls bis ins Unbrauchbare verlängert, gegebenenfalls bis 30s, wenn ohne Blitz kaum Licht vorhanden ist.
Diese Programme sind also praktisch nicht brauchbar, wenn das Blitzgerät nicht nur zum Aufhellen eines Motivs verwendet werden soll, welches ohnehin notfalls auch ohne Blitz korrekt belichtet werden kann.
Für Motive ohne nennenswertes eigenes Licht kann im Menü die Blitzsynchronzeit auf den Bereich 1/200s bis 1/60s oder fest auf 1/200s eingeschränkt werden. Das ist jedoch eine etwas umständliche Aktion und erfordert das Durchwühlen einiger Menüs und Untermenüs, eignet sich also schlecht für schnelle Wechsel des Aufnahmemodus. Beim Versuch, die Stelle am nächsten Tag wiederzufinden, habe ich dann doch nach erfolgloser Suche erstmal wieder die Anleitung bemühen müssen.
Leider ist die gewünschte Blitzsynchronzeit auch nicht präziser einzustellen, etwa um diese auf die maximale Leuchtzeit des Blitzgerätes abzustimmen. Das ist ein weiterer bedauerlicher Mangel der Kamera.
Die maximale Leuchtzeit ist bei genanntem Mecablitz leider 1/125s, so daß die Leistung des Blitzgerätes bei der einzigen im Menü gezielt einstellbaren Synchronzeit von 1/200s nicht voll genutzt werden kann.

Wird die Belichtungszeit wiederum vorgegeben, womit die Blitzsynchronzeit natürlich vorgegeben werden könnte, so steht die Blende immer möglichst weit offen, was auch nicht immer besonders sinnvoll ist. Das mag anders sein, wenn das Motiv so gut beleuchtet ist, daß der Blitz nur zum Aufhellen gedacht ist.
Bei der Programmautomatik ist eine Änderung der Kombination mit dem Hauptwahlrad allerdings im Blitzbetrieb nicht möglich - warum eigentlich nicht?
Nach Einschränkung der Blitzsynchronzeit ist also allenfalls die Blendenvorwahl brauchbar.
Besser funktioniert allerdings noch der manuelle Betrieb, wo sowohl Blende als auch Verschlußzeit frei wählbar sind und innerhalb der technischen Grenzen des Blitzgerätes das E-TTL II dann um eine korrekte Belichtung bemüht ist. Mit E-TTL II ist der manuelle Betrieb also gar kein manueller mehr, da die Kamera das Blitzgerät lange genug leuchten läßt, bis die angegebenen Daten zu einer passenden Belichtung führen. Somit wird der manuelle Betrieb letztlich effektiv zum bevorzugten Aufnahmemodus mit Blitzgerät. Auch beim Automatikbetrieb durch das Blitzgerät ist das der sinnvollste Aufnahmemodus. Es kann sich als vorteilhaft erweisen, eine sinnvolle Vorwahl von Belichtungszeit, Blende und Empfindlichkeit für den E-TTL-Betrieb als eigenen Aufnahmemodus abzuspeichern.
Bei der Vollautomatik wird offenbar einfach 1/60s bei offener Blende verwendet, womit ich dann zumindest auch mal eine Überbelichtung provozieren konnte, weil die Mindestreichweite für diese Kombination von Blende und Verschlußzeit bei dem Blitzgerät unterschritten wurde. Auch hier mag man bei unbedenklicheren Abständen und bei genug Restlicht im Motiv auch andere Einstellungen von Verschlußzeit und Blende bekommen.

Die Idee, das verfügbare Licht möglichst gut zu berücksichtigen, ist an sich gut gemeint und daß man dies überhaupt kann, ist auf jeden Fall eine sehr nützliche und lobenswerte Funktion. Bei schnell veränderlichen Motiven ist es nur notwendig, daß der Photograph dies in Erinnerung behählt und zügig zu den manuellen Einstellungen wechselt, um gleich von der ersten Aufnahme an brauchbare Ergebnisse zu erzielen, denn manchmal oder oft hat man eben nur eine Chance.

Neben der Synchronisation auf den ersten oder den zweiten Verschlußvorhang ist es mit dem Blitzgerät (und vielen anderen) auch möglich, eine Hochgeschwindigkeitssynchronisation im Menü zu aktivieren. Damit können auch kürzere Zeiten als 1/200s verwendet werden. Natürlich reduziert sich dadurch wiederum die maximal verfügbare Lichtmenge des Blitzgerätes. Das liegt daran, daß die Kamera einen Schlitzverschluß hat, der eben bei kürzeren Zeiten nicht mehr komplett offen ist. Um Blitzbetrieb bei kürzeren Zeiten zu erreichen, muß das Blitzgerät also über die gesamte Zeit, in der ein Teil des Verschlusses offen ist, einen Blitz mit zeitlich möglichst konstanter Lichtmenge liefern. Eine automatische Belichtung mit oder ohne E-TTL erfordert daher also einen Vorblitz, mit dem die korrekte Lichtmenge bestimmt wird. Bei normalen Blitzen reicht es hingegen, den Puls zu beenden, wenn genug Licht auf dem Sensor angekommen ist, dabei kann also die Blitzdauer angepaßt werden, während bei der Hochgeschwindigkeitssynchronisation immer die Intensität festgelegt werden muß, bevor die Aufnahme stattfindet.
Jedenfalls kann eine Hochgeschwindigkeitssynchronisation sehr nützlich sein, wenn schnell bewegte Motive eingefroren werden sollen. Sofern Restlicht vorhanden ist, kann sowohl die Belichtungszeit der Kamera als auch die Leuchtzeit des Blitzgerätes recht kurz gewählt werden. Die Funktion kann aber auch sinnvoll sein, um bei weitgehend hellem Motiv und offener Blende dennoch mit dem Blitz eine Aufhellung einiger dunkler Stellen im Motiv zu erreichen - wenn dafür die reduzierte Intensität des Blitzgerätes reicht.
Weil das Menü der Kamera in diesem Bereich eher unübersichtlich ist, ist es übrigens deutlich einfacher, die Hochgeschwindigkeitssynchronisation am Blitzgerät einzustellen, was dann von der Kamera auch übernommen wird.

Ferner ist es auch möglich, eine Korrektur um maximal zwei Belichtungsstufen vorzunehmen, was zumindest bei meinem ersten Motiv sehr nützlich war: Eine kleine Wanze auf einer weißen Kachel. Die Fehlbelichtung lag hier natürlich einerseits an der weißen Kachel, welche die dunkle Wanze dominiert hat. Andererseits liegt allerdings das Hauptproblem darin, daß die Belichtung nicht wie eingestellt zum Beispiel selektiv oder per Spotmessung erfolgt, sondern mit der Mehrfeldmethode oder Integral (vermutlich nicht einmal eine mittenbetonte Integralmessung). Bei dem Motiv hatte ich die Kamera nicht ohne Grund auf Spotmessung eingestellt - dumm, wenn die Kamera dies ignoriert und keine Wunder, wenn sie dann scheitert, weil sie die Information des Photographen ignoriert. Das ist natürlich ein Mangel der Kamera, der die Arbeit mit problematischen Motiven deutlich erschwert. Angeblich soll das E-TTL II ja selbst Probleme erkennen und selbständig für eine korrekte Belichtung sorgen - versagt hier allerdings komplett. Das ist nicht so überraschend, denn noch arbeitet der menschliche Verstand deutlich effektiver bei Problemen, Situationen grob einzuschätzen und Probleme kommen zu sehen, als ein Programm, welches dafür viel schneller ist, wenn es darum geht, etwas auszurechnen, wenn die Situation erstmal genau definiert wurde.
Ich meine sogar, meine Panasonic-Kamera hat sich in zwei ähnlich problematischen Situationen besser geschlagen und die Wanze beziehungsweise Motte nahezu korrekt belichtet, zumindest war das dann bei der JPEG/JFIF noch leicht zu kompensieren, was unterbelichtet war.

Mit dem alten Mecablitz 45 CT 5 im Automatikbetrieb mit eigenem externen, justierbaren Sensor hätte es jedenfalls so grobe Fehlbelichtungen nicht gegeben wie mit dem E-TTL II, was folglich mit Vorsicht zu genießen ist. Auch weil der Photograph nicht durchschaut, was die Kamera wann und wie berechnet, ist das Ergebnis kaum vorherzusehen. E-TTL II ist also nicht zwangsläufig ein Verfahren, welches automatisch brauchbare Ergebnisse liefert, die einer automatischen Belichtung mit dem Sensor des Blitzgerätes vorzuziehen sind. Eigentlich schade, denn die direkte Belichtungsmessung durch das Objektiv ist an sich eine gut Idee, um einfach eine präzise Messung hinzubekommen. Durch die fehlende Möglichkeit der Selektivmessung und der Spotmessung und gemeinnisvoller interner Programme, die eben doch die Probleme nicht immer bewältigen, kann das dazu führen, daß E-TTL II für problematischere Motive eben doch komplett unbrauchbar wird.
An anderer Stelle wurde auch schon von einem anderen Autor beschrieben, daß es da bei Makrophotographie zu Problemen kommen kann.
Testmessungen an anderen Motiven, etwa einer kleinen Hochzeitsvase oder einem Messingwürfel, beide vor dunklem Hintergrund, haben allerdings besser funktioniert als die Wanze. Das Problem bedarf also weiterer Beobachtung in praktischen Tests, um herauszufinden, welche Umstände für die Kamera wirklich problematisch sind - und wie man die Kamera dazu überreden kann, dennoch automatisch brauchbare Aufnahmen zu machen.
Das Versagen von E-TTL II mit Mehrfeldmessung bei diversen Situation im Nahbereich konnte ich inzwischen reichhaltig verifizieren. Die integrale Messung ist sicher im Schnitt nicht zuverlässiger, aber das Ergebnis ist zumindest leichter vorhersehbar. Der erfahrene Photograph kann da aber vorab die Fehlbelichtung abschätzen und vor der Aufnahme korrigieren. Auch ist es da leichter, aufzunehmen, auf dem LCD-Monitor zu kontrollieren, zu korrigieren und erneut aufzunehmen, wenn einem das Motiv dazu Gelegenheit bietet.

Die Mischung aus raten, anschließender Kontrolle auf dem LCD-Monitor mit anschließender geschätzter Belichtungskorrektur und iterativer Wiederholung dieser Prozedur ist jedenfalls etwas, was sich nicht für schnell veränderliche Motive eignet. Auch braucht man für so ein Vorgehen gar keine TTL-Information. Raten kann ich auch mit dem Ergebnis des Sensors des Blitzgerätes im Automatikbetrieb, dafür braucht man keinen Systemblitz ;o)

Sofern auf Automatik gestellt, ist die Empfindlichkeit im Blitzbetrieb zumeist auf 400 eingestellt. Das Handbuch deutet zumindest an, daß dies bei drohender Überbelichtung unempfindlicher eingestellt wird. Wieso es nicht bei drohender Unterbelichtung automatisch empfindlicher eingestellt wird, ist nicht erwähnt - wozu eine Automatik, wenn sie dies nicht leistet? Es ist ja naheliegend, daß das per Autofokus scharfgestellte Objekt richtig belichtet werden soll, das kann die Kamera mit der errechneten maximalen und minimalen Reichweite des Blitzgerätes abgleichen, wonach die Empfindlichkeit angepaßt werden könnte.

Neben E-TTL II gibt es auch noch einen automatischen Betrieb des Blitzgerätes oder einen manuellen. In den Fällen wird die Belichtung natürlich nicht über die Kamera kontrolliert.
Das System E-TTL II scheint mir aber nach ausgiebiger Erfahrung mit verschiedenen Motiven noch viel Raum für Verbesserungen zu lassen, die auch mit einer Aktualisierung der Programme in der Kamera ('firmware-update') realisierbar sein sollten. Da kann man Canon nur viel Glück wünschen, daß sie das System besser zum Laufen bekommen. Primär wäre es schon einmal ein deutlicher Fortschritt, wenn man wenigstens die Spotmessung zusammen mit E-TTL II nutzen könnte, um selbst bestimmen zu können, was am Bild relevant ist - die von Canon favorisisierte Mehrfeldmessung erkennt dies zumindest meistens nicht...

Bis das System E-TTL II verbessert ist oder eine Spotmessung verfügbar ist, empfiehlt sich jedenfalls das zusätzliche Speichern der Bilder im Rohdatenformat mit anschließender Korrektur der Bilder, siehe dazu auch den entsprechenden Abschnitt.

Dateien und Datenübertragung an den Rechner

Generell verwende ich als Betriebssystem meiner Rechner Debian Linux, für mich ist also primär relevant, wie man effektiv damit die Daten auf den Rechner bekommt. Die von Canon mitgelieferten Programme eignen sich dafür leider nicht, siehe auch nächsten Abschnitt. Generell ist es bei meiner anderen Kamera von Panasonic kein Problem, die Daten zügig auf den Rechner zu bekommen, daher war an sich nicht mit Problemen zu rechnen.

Erwartungsgemäß macht der Anschluß des USB-Kabels keine Probleme und die Kamera wird automatisch als Kamera erkannt. Leider nicht als allgemeines Speichermedium wie die Kamera von Panasonic, das könnte das Kernproblem der EOS-Kameras sein. Anders als bei der Kamera von Panasonic erfolgt auch bereits der Aufbau der Verzeichnisstruktur nur in Zeitlupe - grob eine halbe Minute für ein paar Byte Daten. Als extrem nervig erweist sich die Voreinstellung der Kamera, sich selbst nach 6s zu deaktivieren - in Ordnung ohne Anschluß an den Rechner, mit eingestecktem USB-Kabel eher lächerlich. Wird auf dem Rechner etwa ein neues Verzeichnis angelegt, dauert das sicher länger als 6s und die Kamera schaltet sich ab. Die Funktion muß im Menü zum Zwecke der Datenübertragung deaktiviert werden.

Das Herunterladen mit KDE/Konqueror erweist sich als Alptraum einer gefühlten Ewigkeit - grob eine Stunde, allein um KDE/Konqueror die knapp 500 Dateinamen bei meinem Versuch einlesen zu lassen. Danach erfolgt dann allerdings die Datenübertragung in einem halbwegs akzeptablen Tempo, wobei aber einige Rohdaten-Dateien von der Kamera gar nicht rausgerückt wurden. Das Auslesen von Daten über die Kamera ist also als mangelhaft einzustufen. Etwas besser klappt es offenbar mit einem speziellen Programm wie digikam, welches offenbar die Probleme der Kamera kennt und kritischer überprüft und eventuell auch spezielle Tricks eingebaut hat, um die Übertragung effektiver zu machen - wohlmöglich wird da auch jede Datei einzeln abgefragt, statt von der Kamera zu fordern, alles in einem Schwung zu übertragen. Das funktioniert dann ähnlich schnell wie das Programm von Canon, was ich später noch unter windows vista ausprobiert habe. Für mich eher unangenehm ist, daß die Kamera die Dateinamen offenbar mit Großbuchstaben abliefert - gut ist eine persönliche Angewohnheit, aber ich habe lieber insbesondere die Dateiendungen klein.

Im Vergleich dazu funktioniert das Übertragen nach Wechsel der Karte in einen Kartenleser (für wenige Euro erhältlich) zügig und problemlos. Die Probleme werden also eindeutig von der Kamera verursacht, nicht von der Karte oder dem Programm auf dem Rechner.

Solche profanen Dinge wie die Datenübertragung an den Rechner sollte man also der Canon EOS 5D Mark II nicht zumuten. Hier ergeben sich erste Hinweise auf gewisse Kompetenzdefizite bei Canon hinsichtlich des Einsatzes von Rechnern und digitalen Medien.

Überhaupt Dateinamen - wieso müssen die Dateien eigentlich mit 'img_' beginnen? Daß es sich um Bilder handelt, ist ja schon anhand der Endungen '.jpg' beziehungsweise '.cr2' ziemlich klar. Es würde sicher reichen, die Dateinamen einfach mit 'c' für Canon beginnen zu lassen und dann durchzunumerieren. Da Canon vermutlich aus Kompatibilitätsgründen zum alten DOS auch noch die Anzahl der Ziffern begrenzt hat, reichen diese faktisch nicht aus, um die gesamte Produktion der Kamera der Reihe nach durchzunumerieren, mit lediglich 'c' statt 'img_' und zwei bis drei Ziffern mehr würde dies sicher bei den allermeisten Photographen reichen.

Mit einem relativ einfachen shell-Skript läßt sich dies Problem natürlich beheben, insofern muß nicht auf Canon gewartet werden, sondern jeder kann die Sache selbst in die Hand nehmen - allerdings dann jedes Mal, wenn die Daten von der Speicherkarte erstmals auf den Rechner geladen werden - es wäre natürlich deutlich weniger arbeitsaufwendig, wenn das Problem von Canon gelöst würde.

Das mangelhafte Konzept der Numerierung offenbart sich dann auch jedem bei so einem Zehntausender-Wechsel, wenn man mit mehreren Karten arbeitet. Auf der gerade eingelegten Karte legt die Kamera zwar automatisch ein neues Verzeichnis an (von Canon in der Bedienungsanleitung irrtümlich Ordner genannt) und beginnt erneut bei 0001 mit Zählen (ähnlich wie die alten Römer kennt Canon offenbar noch nicht das Konzept der 0, hätte man ihnen aber auch in den letzten Jahrzehnten mal erklären können ;o). Doch beim Wechsel auf eine andere Karte setzt die Kamera die neue Zählung nicht fort, wenn da noch ein paar alte Bilder drauf sind. So bekommt man also insgesamt leicht eine mehrdeutige Numerierung, die man ebenfalls im Nachhinein mit einem Skript beheben muß. Schlimmer noch - selbst wenn man auf der neuen Karte ein gleichnamiges neues Verzeichnis anlegt und dort ein Bild mit der korrekten niedrigen Nummer hinterlegt, legt die Kamera zwar die Bilder im neuen Verzeichnis ab, aber mit der Numerierung aus dem alten Verzeichnis. Zwar gibt es zu diesem unsinnigen Verhalten ein paar vage Andeutungen in der Bedienungsanleitung, aber wenn man bei Canon von dem unausgegorenen Konzept weiß, warum werden dann solche groben, extrem nervenden Mängel nicht einfach behoben, statt sie nur in der Anleitung anzudeuten? Warum kann man nicht wenigstens angeben, mit welcher Nummer die Zählung bei der zweiten Karte beginnen soll? Nicht einmal das ist möglich. Canon empfiehlt, die zweite Karte zuvor zu formatieren, was aber auch nicht immer sinnvoll ist, wenn noch nicht alle Bilder auf mehreren Festplatten endgültig archiviert sind.

Korrektes Zählen ist auch nicht Canons Sache, also ist Vorsicht bei der Archivierung angesagt. Die Kamera ist da keine Hilfe. Es empfiehlt sich folglich, ein paar externe Festplatten vorzuhalten, gegebenenfalls unterwegs auch ein netbook oder zwei, um die Bilder sicher zwischenzuspeichern und die Karten jeweils zügig komplett zu leeren.

CDs, Programme

Daß Canon Programme nur für microsoft windows oder Apple zusammen mit der Kamera anbietet, war mir vor dem Kauf klar, hat mich nicht davon abgehalten, die Kamera trotzdem zu kaufen. Warum es allerdings eine Einschränkung auf diese beiden kommerziellen Betriebssysteme gibt, wird wohl ein Geheimnis von Canon bleiben - wird die Programmierabteilung von diesen Firmen gesponsort? Sinnvoller wäre es jedenfalls gewesen, zusätzlich oder stattdesen java-Programme anzubieten. Diese sind auf zahlreichen Betriebssystemen verwendbar und es ist nicht notwendig, ein bestimmtes Betriebssystem oder gar einen kompletten Rechner zu kaufen, um die Programme nutzen zu können.

Wie dem auch sei, die erste mitgelieferte CD 'Essential Products and Solutions V4' enthält nur HTML-, CSS-Dateien und Pixelgraphik, ist inhaltlich also auch für Linux geeignet. Leider enthalten die HTML-Dateien Fehler - bei den Verweisen wurde nicht auf Groß- und Kleinschreibung geachtet, so daß die Dateien ohne Korrektur etwa mit einem Texteditor nicht sinnvoll nutzbar sind. Aufgrund eines Fehlers oder Defizites bei microsoft windows fällt der Unterschied dort allerdings nicht auf und die Dateien scheinen zu funktionieren. Auch hier deutet sich wieder an, daß es bei Canon Kompetenzdefizite bei der korrekten Verwendung von digitalen Medien gibt, sonst würden die HTML-Dateien unabhängig vom Betriebssystem funktionieren, wie es für HTML vorgesehen ist. Weil Canon der eigentlich einfach zu behebende Fehler nicht aufgefallen ist, eignet sich die CD daher in der Tat nur für windows und für Macintosh - wobei ich letzteres nicht ausprobiert habe. Das basiert allerdings auch teilweise auf Komponenten aus dem Linux-Bereich - ist also nicht sicher, daß dort der Fehler ebenso durch einen Fehler des Systems kompensiert wird wie bei windows.

Eine zweite CD enthält Anleitungen zu den Programmen auf zwei weiteren CDs. Dabei handelt es sich einfach um PDF-Dokumente. Es gibt Anleitungen in diversen Sprachen, auch deutsch und englisch. Mit einem geeigneten Programm lassen sich PDF-Dokumente praktisch auf jedem Betriebssystem angucken. Es gibt auch keine einschränkenden Fehler, insofern ist der einschränkende Hinweis auf windows und Macintosh hier falsch. Auch hier scheint Canon nicht den rechten Überblick über digitale Formate zu haben. Ich meine sogar, microsoft selbst hat gar kein eigenes Anzeigeprogramm für PDF, typisch wird eines von Adobe verwendet. Für Linux gibt es neben diesem zahlreiche weitere zur Anzeige von PDF.

Die anderen CDs enthalten Programme, die an sich für microsoft windows gedacht sind. Spezielle Programme für Apple Mac OS habe ich nicht entdecken können - aufgrund der Abhängigkeit von Linux hätten diese ja auch dort funktionieren können. Mag aber auch sein, daß Apple Mac OS spezielle Programme hat, die auch windows-Programme interpretieren können, ähnlich wie wine für Linux.

Unter microsoft windows vista sind die Programme installierbar, allerdings nur als Administrator, also nicht wie sonst üblich, nach Eingabe des Kennwortes des Administrators, sondern wirklich, indem das Nutzerkonto des Adminstrators verwendet wird, um die Programme zu installieren. Sicherheitstechnisch ist das eher suboptimal und läßt sicher auch noch Raum für Verbesserungen.

Rohdatenformat

Neben JPEG/JFIF kann bei der Kamera Canon EOS 5D Mark II auch ein proprietäres (privates, firmeneigenes, sonst unbrauchbares) Format verwendet werden, um die Bilder abzuspeichern. Adobe versucht seit längerem einen Standard für ein Rohdatenformat zu etablieren, welches von allen Herstellern verwendet werden kann und dann auch allgemein verwendbar und verstehbar sein sollte. Leider ist das von Canon verwendete Rohdatenformat eben gerade kein allgemeiner Standard. Es ist damit nicht sichergestellt, daß die so abgespeicherten Bilder lesbar sind, wenn Canon das Format ändert oder die Programme von Canon zur Dekodierung nicht mehr verfügbar sind. Wie bereits diskutiert, sind die Programme ohnehin nicht unabhängig vom Betriebssystem verwendbar, so daß nicht einmal für Nutzer von Betriebssystemen von microsoft sichergestellt ist, daß die Programme von Canon auch bei zukünftigen Systemen noch funktionieren werden. Es ist also dringend zu empfehlen, entweder für diese Programme einen Rechner betriebsbereit zu halten, der die Programme interpretieren kann oder aber die Dateien unmittelbar in ein Standardformat zu verwandeln, so daß die Rohdaten nicht mehr gebraucht werden. Zum Archivieren scheint das Rohdatenformat somit eher komplett ungeeignet zu sein, weil es nicht zukunftssicher ist.

Der Vorteil eines Rohdatenformates liegt darin, daß die Daten von der Kamera im Originalzustand und mit voller Informationstiefe pro Farbkanal aufgezeichnet werden. Die EOS 5D Mark II verwendet für die Farbinformation im Sensor wie die meisten anderen Kameras auch eine Bayer-Matrix. Pro Pixel wird also nur eine von drei Farben detektiert. Somit ist es notwendig, daraus das JPEG/JFIF per Interpolation zu gewinnen. Zudem kann bei JPEG/JFIF nicht die komplette, im Sensor verfügbare Farbinformation abgespeichert werden und JPEG/JFIF verwendet eine verlustbehaftete Datenkompression. Daher eignet sich ein Rohdatenformat theoretisch viel besser, um Bilder zu archivieren, nachzubearbeiten und zu optimieren. Praktisch scheidet es aber als Archivierungsformat aus, weil es nicht einmal ein Standardformat ist.
Mit einer verlustfreien Kompression würde sich auch das Standardformat PNG für die bereits interpolierten Daten eignen, wird aber von Canon und auch von anderen Kameraherstellern nicht als Format in der Kamera angeboten. PNG kann immerhin auch bei Bedarf 16 Bit pro Kanal und Pixel abspeichern - würde also für die Bilder dieser Kamera reichen.

Zwar wird für unter Linux verfügbare Programm wie UFraw oder Rawstudio explizit angegeben, daß sie auch das Rohdatenformat von Canon verarbeiten können (sowohl Version 1 als auch die bei EOS 5D Mark II verwendete Version 2), bei beiden wareb die Dateien allerdings beim ersten Versuch unbrauchbar. UFraw gibt sogar explizit an, daß die Dateien fehlerhaft seien. digikam gelingt zwar die Anzeige eines Vorschaubildes, aber nicht die Darstellung in Originalgröße - es zeigt nur ein in der Datei ebenfalls enthaltenes Vorschaubild an. Hat Canon mittlerweile wieder eine Änderung des Formates vorgenommen oder warum funktioniert die Darstellung nicht mit einem anderen Programm als dem von Canon? Die anfangs von mir verwendeten Versionen der Programme auf Debian 5 sind schon etwas älter, ein Test mit neueren Versionen unter Ubuntu hat ergeben, daß dort inzwischen offenbar die Änderungen am Format berücksichtigt werden konnten, so daß mit neueren Versionen eine Weiterverarbeitung und Ansicht möglich ist.
Debian 6 hat inzwischen ebenfalls die aktualisierten Versionen von UFraw und Rawstudio, welche das modifizierte Rohdatenformat interpretieren können.
Auch hier zeigt sich jedenfalls wieder, daß Canon bei digitalen Formaten nicht wirklich zuverlässig ist. Mit Mängeln muß offenbar jederzeit gerechnet werden. Jedenfalls gibt es auch von anderen Nutzern Meldungen über ein solches Problem - was wiederum ein schlechtes Zeichen für dieses Rohdatenformat ist.

Mit Canons eigenem Programm unter microsoft windows klappt jedenfalls das Darstellen und Bearbeiten des Rohdatenformates, wäre auch sehr peinlich, wenn nicht. Auch die Datenübertragung klappt damit einigermaßen, ich meine aber, mit dem Kartenleser unter Linux ging es immer noch schneller. Kartenleser unter windows habe ich nicht probiert. Auch die Ansteuerung der Kamera, die Eingabe des Kamerabesitzers und des Namens Urheberrechtinhabers funktionieren problemlos.

Die Dateigrößen bei den Dateien mit der vollen Auflösung liegen immer im Bereich von 23 bis 31MB. Weil Canon eine Farbtiefe mit 14bit pro Pixel angibt - und jeder Pixel einer Bayer-Matrix hat nur eine Farbe, kann davon ausgegangen werden, daß allenfalls eine sehr rudimentäre Kompression der Daten vorgenommen wird. Die ist verständlich, weil eine effektive verlustfreie Kompression deutlich mehr Rechenleistung erfordert - letztlich also der Möglichkeit im Weg stände, schnell weitere Aufnahmen zu machen. Eine nachträgliche Kompression mit gzip oder zip bringt allerdings wenig, auch weil diese nicht für die Kompression von Bildern gedacht sind.

Fehlbelichtete Bilder können zum Glück nachträglich korrigiert werden, wenn die Bilder zusätzlich im Rohdatenformat abgespeichert werden. Leicht unterbelichtete Bilder sind dabei leichter zu korrigieren als überbelichtete, gegenüber einer optimalen Belichtung ist dies natürlich nur eine suboptimale Strategie, die zudem dort ihre Grenzen hat, wo eine Bildpartie stark über- oder unterbelichtet ist, ein, zwei, gelegentlich auch drei Belichtungsstufen können so korrigiert werden.

Ähnlich kann auch in begrenztem Umfange der Dynamikbereich erhöht werden, indem unterbelichte Bereiche nachträglich aufgehellt und leicht überbelichtete Bereiche abgedunkelt werden. Das klappt allerdings nur für solche Bereiche, wo das Bild noch Struktur enthält, also nicht flächig einfarbig (oder schwarz oder weiß) ist.

Fazit

Die Kamera selbst ist trotz der kleineren ergonomischen Defizite eine lohnenswerte Anschaffung. Zusammen mit den Objektiven ergibt das viel Spaß beim Photographieren.
Der Einblick in Canons Umgang mit digitalen Formaten ist allerdings eher deprimierend, sollte einem aber den Spaß an der Kamera nicht verderben. Die Stärken von Canon liegen eindeutig bei der Optik und beim digitalen Sensor, der Verarbeitung von Belichtungsdaten und beim Autofokus, nicht bei der sonstigen Datenverarbeitung, den Rohdaten oder wie man diese dem Nutzer der Kamera möglichst effektiv verfügbar und archivierbar macht. Aber alles fließt und nichts ist für immer - sicherlich ein Motto, welches auch die Canon-Entwickler hinsichtlich der von ihren Kameras erzeugten Bilder beherzigen.
Nunja, in Hinsicht der Medien- und internet-Kompetenz von Unternehmen bin ich auch anderweitig einigen Kummer gewohnt. Insofern werde ich mich eher den Vorzügen der Kamera selbst zuwenden und damit sicher noch viel Spaß haben. Der Hauptspaß der Photographie besteht ja auch im Photographieren selbst, nicht unbedingt in der Nachbearbeitung und Archivierung auf dem Rechner...
Die Belichtung der Kamera ist (mal abgesehen von den Problemen des Blitzsystems) in den allermeisten Fällen so präzise, daß die JPEG/JFIF-Dateien zumeist komplett ausreichen. Sicherheitshalber kann es natürlich nicht schaden, die Rohdatenbilder mit abzuspeichern und zur Archivierung in ein Standardformat zu konvertieren. Das empfiehlt sich jedenfalls bei Bildern, die wichtig genug sind, um dauerhaft mit maximaler Informationsfülle verfügbar gehalten zu werden.

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